Nüchtern betrachtet 

Die Teetasse meiner Frau ist unbenetzt

Feuilleton | aus FALTER 27/13 vom 03.07.2013

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Eigentlich wären jetzt Ferien. Für viele ist dies Anlass zur Freude. Als jemand, der mit einer Lehrerin und einem Schulkind zusammenlebt, sollte davon eigentlich auch etwas auf mich abstrahlen. Das ist allerdings nicht der Fall. Meine Tochter ist nämlich seit kurzem ein Ex-Schulkind, eine "Absolventin“, wie das korrekterweise heißt (zu einer "Absolventin“ niemals "Maturantin“ sagen!) und hängt bereits seit einiger Zeit mit zwei Freundinnen in zwei der schicksten Städte Europas ab (auch das Konzept "Maturareise“ scheint einem Wandel zu unterliegen - wir sind noch auf selbstgenagten Flößen den Jenissej hinunter gefahren). Meine Frau aber hat schon vor längerer Zeit durch längerfristige Maßnahmen Sorge dafür getragen, dass ihr auch ohne Schüler die Arbeit nicht ausgeht.

Wenn ich aufstehe oder zu Bett gehe, treffe ich meine Frau zurzeit in hauptsächlich zwei Haltungen an: entweder


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige