Logbuch

Der Glückskeks hatte vollkommen recht

Kolumnen | Doris Knecht  | aus FALTER 27/13 vom 03.07.2013

Doris Knecht ist optimistisch

27.6., 7.45 Uhr Wie immer, wenn die Mimis aus dem Haus sind, liege ich in Unterhosen auf der Küchenbank, löffle mein Müsli und höre noch ein bisschen FM4-"Morningshow“. Nur dass diesmal Stuart Freeman mit mir spricht. Ich springe sofort auf und in eine Jeans, weil ich mich beobachtet fühle. Aber danke für den Song, Mr. Freeman, Queens of the Stone Age hab ich ja immer noch gern, nachdem ich damit einst, in Zürich, monatelang die gesamte Kollegenschaft terrorisiert habe. Ich stell mir derweil noch einen Kaffee auf. Good things come my way, der Glückskeks vorgestern hatte schon recht.

8.50 Uhr Nur noch einmal schlafen bis Ferien. Wie immer vorher Vollstress, und zwar einer, unter den man sich vorwiegend selber setzt. Den, die, die und den muss man schließlich unbedingt noch treffen, als würde in den Ferien die Welt untergehen und als sähe man alle, die man nicht noch vor den Ferien trifft, niemals wieder. Und als könnte man all das, was man jetzt nicht mehr tut, niemals wieder tun, weshalb man das, das und insbesondere und ganz, ganz wichtig das noch erledigen plus die Werkstatt aufräumen plus einen Berg Wäsche waschen plus zwei Kopfhörer, kurze Hosen und zwei Paar Flipflops besorgen plus um 14 Uhr noch schnell mit den Kindern zum Zahnarzt, eins der Mimis hat ein Loch im Zahn. Wenn ich alles genau durchtakte, jetzt das erledige, dann das abhake und dann noch das schreibe, könnte es sich ganz knapp ausgehen, und ich kann um 13 Uhr noch beim Sapa ein Süppchen und Frühlingsrollen essen, bevor ich die Mimis von der Schule abhole.

12.05 Uhr Ich bin genau im Plan, also noch lange nicht fertig. Eins der Mimis ruft an und sagt, Schule ist jetzt doch schon früher aus, und sie müssen jetzt sofort das Gebäude verlassen, was mich total in Stress versetzt. Was? Wieso? Im Ernst jetzt? Meine ganze schöne Millimeterarbeit ist völlig ruiniert. Andere Mütter haben das, wie ich später beim Kennenlerntreffen der ersten Mimi-Gymnasiumsklasse, völlig unüberrascht zur Kenntnis nehme, natürlich gewusst. Eh klar. In diesem Stresskontext ist es im Übrigen auch gänzlich unverwunderlich, dass dieses Kennenlerntreffen ausgerechnet und punktgenau am allerletzten Schultag stattfindet.

21.22 Uhr War aber eine klassische Besser-spät-als-nie-Situation, dieses Treffen, sehr nett, sehr fröhlich.

28.6. 10.05 Uhr Zeugnistag. Zufriedene Eltern, glückliche Mimis, denn es war erstens ein gutes Jahr, zweitens haben sie sich mit nennenswerter Notenverbesserung das Internet am Handy verdient. Gute Kinder. Obwohl: Eins der Mimis will lieber doch kein Handyinternet mehr, lieber drei Staffeln "Grey’s Anatomy“, wenn es sich das aussuchen darf. Darf es, ich bestelle das einmal und ruf schon einmal den Provider an.

16.59 Uhr Noch 241 Zeichen bis Ferien. Good things will come my way, ja, ich spüre es. Zum Beispiel ist es in einer Minute fünf Uhr. Salut, möge der Sommer herrlich werden.


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