Tiere

Brieffreunde

Falters Zoo | aus FALTER 27/13 vom 03.07.2013

Peter Iwaniewicz brieft Leser und liest Briefe

Sommer. Jetzt verschwinden Menschen ebenso plötzlich wie lange, man grüßt - nicht nur in Schulen - mit einem freundlichen "Wir sehen uns im Herbst“, und die Luft, das Wasser, der Wald und die Wiese sind voll mit andersartigen Lebewesen. Nur eine Minderheit sehr gereifter Persönlichkeiten ist in der Lage, sich darüber zu freuen. Der Großteil jener, die durch das unverschämt warme Wetter gezwungen werden, den Schutz ihrer Häuser zu verlassen und sich dem wütenden Walten der Natur auszusetzen, fürchtet mögliche Übergriffe. Die Strategien zur Bewältigung dieses Traumas sind verschieden: Manche begeben sich in therapeutische Behandlung, andere fordern den flächendeckenden Einsatz starker Gifte in der Landwirtschaft, und manche schreiben Leserbriefe. Ich bevorzuge Letzteres.

Leserbriefe darf man nicht mit den psychopathologischen Äußerungen in Webforen verwechseln. Hier wird noch ordentlich gegrüßt, formuliert und meist auch ein Beweisobjekt beigelegt. So wie mich zum Beispiel ein voluminöses, aber dennoch leichtes Paket erreichte, in dem sich ein gut gefüllter Staubsaugerbeutel befand. Auf einem kleinen, verstaubten Zettel stand folgende Frage: "Diese kleinen Fliegen habe ich in unserem Schlafzimmer aufgesaugt. Wie heißen diese?“ Ich hätte gerne "Franz“ und "Erna“ geantwortet, aber der Fachverband für Tierkolumnenschreiberei rät vom schnoddrigen Antworten strikt ab.

Das sachkundige Aufsammeln und Verpacken scheint generell ein Problem zu sein. Ein Herr M. aus Wien-Margareten schrieb: "Ich kann Ihrem Wunsch, bei Leserbriefen auch das Tier zwecks Bestimmung zuzusenden, nicht nachkommen, da ich das Insekt, das mich im Gänsehäufel attackierte, zwischen den Seiten meines Falters zerquetschen musste und ich diesen noch brauche.“

Oft ist das Tier bereits bestimmt und man erkundigt sich nur nach seiner restlosen Beseitigung: "Wie kann ich einen Marder vom Dachboden vertreiben? Beschallung mit Ö3 hat nichts gebracht.“ Da fällt guter Rat schwer, denn die härtesten Maßnahmen wurden ja bereits eingesetzt. Im Internet finden sich meist Maßnahmen, die die Anwesenheit eines Baummarders als das geringere Übel erscheinen lassen: leichte Stromstöße, Einsatz von Ultraschallboxen, Auslegen von WC-Steinen oder geruchsintensiver "Marderabwehrpasten“. Ich rate zu buddhistischer Gelassenheit und wünsche einen tierreichen, angstfreien Sommer.

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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