The Lady is a Tramp oder die Diva als Göre: Mit Rihanna gastiert der derzeit weltgrößte Popstar erstmals in Wien

Lexikon | Gerhard Stöger | aus FALTER 27/13 vom 03.07.2013

Stehen das "R" und das "B" der Musikrichtung R&B denn für "Runter mit der Bluse"? Das fragt man sich beim Betrachten des Covers von Rihannas aktuellem Album "Unapologetic" einmal mehr: ohne nackte Haut kein R&B.

Als die vor 25 Jahren auf Barbados geborene Sängerin kürzlich den Foto-Provokateur Terry Richardson für ein Rolling-Stone-Shooting traf, behielt sie die Oberbekleidung ausnahmsweise an. Sexuell aufgeladen sind die Bilder trotzdem, aber sie porträtieren Rihanna weit besser als das "Unapologetic"-Cover und all die anderen Beinahe-Nackig-Fotos, die sich in CD-Booklets, auf Zeitschriftencovern und in Paparazzi-Foren von ihr finden.

Die Haare ins Gesicht gekämmt, der Blick hellwach, steckt sie sich die Spitze des künstlichen Fingernagels auf einem der Richardson-Fotos in den lasziv geöffneten Mund. Es ist, wie könnte es anders sein, der Mittelfinger.

Natürlich ist diese Mischung aus Sexappeal und "Fuck You"-Attitüde, aus Diva und Göre, aus Hochglanzglamour und Street-Style hochgradig kalkuliert. Genau wie Rihannas Musik, die eingängigen Dancepop mit Hip-Hop, Reggae und Elektro anreichert und in dem einen Song nach Klavierballadenschmachtfetzen und im nächsten schon wieder nach Clubkracher klingen kann.

Rihanna aber gelingt es, diese strenge Form mit Leben zu füllen: Unkontrollierbar wirkt sie, verwirrend, manchmal erschreckend dumm (das Liebescomeback mit Prügelfreund Chris Brown, wir erinnern uns mit Schrecken), meist aber ziemlich aufregend. "Madonna oder Lady Gaga?", lautete vor einigen Jahren noch die Frage nach dem größten Popstar der Gegenwart. "Rihanna!" lautet heute die klare Antwort.

Sieben Alben hat sie seit 2005 veröffentlicht; ihre Lieder verkaufen sich digital und analog millionenfach. Sie hat mehr Facebook-Followers als jeder andere Popstar, ihre Youtube-Klicks werden in Milliarden gezählt. Zwölf Nummer-eins-Hits in den USA schlagen bislang zu Buche; nur die Beatles und die Supremes hatten in kürzerer Zeit mehr Spitzenplatzierungen als Rihanna. Ihre "Diamonds World Tour" führt den Superstar jetzt erstmals auch nach Wien.

Wiener Stadthalle, Di 19.30


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