Kommentar  Kulturkampf

Grünes Dilemma: Dürfen Migranten homophob sein?

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 28/13 vom 10.07.2013

Ist ein Migrationshintergrund mehr wert als Schwulsein? Vor diesem moralischen Dilemma stehen die Grünen, seitdem einer ihrer Tiroler Gemeinderäte in der Presse bekannte, dass er die Parteilinie in Bezug auf die rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare nicht teilen kann. Der Jenbacher Mustafa Isilak sagt, diese politische Überzeugung stehe im Widerspruch zu seiner islamischen Religion. Der grüne Kultursprecher Klaus Werner-Lobo erwiderte: "Das ist für mich ein No-Go.“ Wer sich für die Gleichstellung von Migranten einsetzt, muss im politischen Selbstverständnis der Partei auch gegen sexuelle Diskriminierung sein.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich in der grünen Bewegung die Geister darüber scheiden, wie weit der Respekt vor religiösen Gefühlen gehen kann. So rief die deutsche Grünen-Politikerin Ekin Deligöz 2006 die Musliminnen dazu auf, ihr Kopftuch abzunehmen. Eine Parteikollegin sprach sich wiederum dafür aus, dass Polizistinnen die islamische Kopfbedeckung auch während ihrer Dienstzeit überziehen dürfen. Für viele Frauen ist das Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung. Darf man aber Musliminnen das Recht absprechen, es - frei nach dem Motto: Meine Religion gehört mir! - in ein Zeichen der Selbstbestimmung umzuwerten?

Von Paris bis Washington, von Moskau bis Jenbach markiert das Thema "God & Gays“ derzeit den Grenzverlauf zwischen Liberalen und Konservativen. Selbstverständlich müssen die Grünen ein Parteiausschlussverfahren anstrengen, um zu demonstrieren, dass sie nicht auf der Seite der Republikaner, Putins und des Koran Belt stehen. Es sei denn, Isilak outet sich doch noch als revolutionäre Transgendermuslim_in.


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