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Politik | Karin Jirku | aus FALTER 28/13 vom 10.07.2013

Bücher, kurz besprochen

Pfusch im Olymp

Tinte in der Wirbelsäule, Querschnittlähmung nach Herzoperation, Sturz vom OP-Tisch: Wer die 23 Fälle ärztlicher Kunstfehler liest, die der deutsche Medizinrechtler Dieter Wissgott in seinem Buch "Opfer Patient. Medizin vor Gericht“ zusammengetragen hat, der bekommt Angst vor jedem Krankenhaus. Die Geschehnisse lesen sich wie ein Horrorroman. Vielleicht noch erschreckender erscheinen jedoch die milden Gerichtsurteile, mit denen die Geschädigten abgespeist werden.

Wissgott schreibt, dass sich sein Buch nicht pauschal gegen die Ärzteschaft richtet. Behandlungsfehler und Nachlässigkeiten könnten überall passieren. Doch ist es oft die Gleichgültigkeit und Arroganz der "Halbgötter in Weiß“, wie Wissgott spöttisch anmerkt, die den Weg der Geschädigten zu Recht und Gerechtigkeit so beschwerlich macht.

Dass dem Arzt ein Fehler unterlaufen ist, muss vom Patienten nämlich erst bewiesen werden. "Langwierig, schwierig und keineswegs immer vom Verständnis für den geschädigten Patienten getragen“, auf diese Weise laufen momentan Prozesse ab, die Ärztefehler behandeln, schreibt Wissgott.

Der Autor möchte mit seinem Buch ein Umdenken bei Justiz und Ärzten erreichen. Die Opfer sollen nicht länger mit voreingenommenen Sachverständigen und niedrigen Schmerzensgeldzahlungen konfrontiert sein, sondern mit nötigem Respekt behandelt werden. Spannende Lektüre, nicht nur für unmittelbar und mittelbar Betroffene.

Dieter Wissgott: Opfer Patient. Medizin vor Gericht. Zu Klampen, 160 S., € 15,50


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