Wieder gelesen

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 28/13 vom 10.07.2013

Bücher, entstaubt

Die Zeichen stehen auf Sandsturm

Wie verfahren die aktuelle Situation in Ägypten ist, zeigt eine Analyse, die Samir Amin im Februar 2012 in den Blättern für Deutsche und internationale Politik veröffentlicht hat. Amin, ein ägyptischer Ökonom und Intellektueller, denkt in großen historischen Zeiträumen. Für ihn lautet der Ägypten beherrschende Konflikt nicht Muslimbrüder versus Säkulare, sondern für ihn stehen die Unruhen in seiner Heimat im Zeichen des langen Fortschrittskampfs des aufgeklärten ägyptischen Bürgertums.

Wer zum Beispiel weiß schon, dass die britischen Kolonialherren 1929 fleißig dabei mitgeholfen haben, die Muslimbruderschaft zu gründen, um mit den reaktionären Antidemokraten ein Instrument gegen den bürgerlichen Unabhängigkeitskampf in der Hand zu haben. Die Kontakte des Westens zu den Muslimbrüdern rissen nie ab. Offiziell wurden sie dämonisiert, inoffiziell überließen ihnen die USA- und europafreundlichen Regierungen das Bildungsmonopol, nicht zuletzt um die Gesellschaft frömmlerisch und konservativ zu belassen. Spätestens seit dem Sturz von Mursi sind aber beide konservativen Eliten, die Mubarak-Etatisten und die Muslimbrüder, gescheitert und völlig delegitimiert. Wo in Konfliktfällen aber breit legitimierte Eliten fehlen, ist eine schnelle Befriedung ausgeschlossen.

Samir Amin: Revolution in der Sturmzone. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Nr. 2/12, Blätter-Verlag. 14 S., € 9,50


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