Nachgetragen  Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Bellen, kratzen, beißen: Stadt Wien versus Tierschutzverein

Politik | Philip Gaspar | aus FALTER 28/13 vom 10.07.2013

An der Stadtgrenze Wiens ist ein rot-grüner Streit ausgebrochen. Vergangene Woche gab der Wiener Tierschutzverein bekannt, den Vertrag mit der Stadt Wien im Jänner 2014 zu kündigen. Seit 2007 besteht folgende Regelung: Nimmt das Tierheim Vösendorf ein herrenloses Tier auf, bezahlt die Stadt für 30 Tage dessen Betreuung. Im Idealfall finden sich in dieser Zeit Abnehmer für die Tiere.

Für Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins und Chefin von Niederösterreichs Grünen, reicht das nicht mehr. Sie spricht von veränderten Rahmenbedingungen: Der illegale Tierhandel nehme zu. Viele aufgenommene Tiere seien krank, müssten behandelt, geimpft oder eingeschläfert werden. Die durchschnittliche Verweildauer der Tiere sei gestiegen. Petrovic fordert daher, dass der bezahlte Betreuungszeitraum auf zwei Monate erhöht wird.

87 Prozent der Kosten werden bisher von freiwilligen Spendern getragen, hinzu kommen rund 800.000 Euro, die die Gemeinde Wien jährlich beisteuert.

SPÖ-Umweltstadträtin Ulli Sima zeigt sich über das Vorgehen von Petrovic überrascht. In allen Ressorts werde gespart, auch sei der Förderbetrag seit 2007 regelmäßig erhöht worden. Sima: "Ich möchte mich nicht erpressen lassen.“ Petrovic hingegen will nichts von Erpressung wissen: "Es ist nur ein Vorbringen unserer Bedürfnisse. Mit Nachdruck.“

Sollte der Vertrag mit der Stadt auslaufen, würden die Türen des Tierschutzheims jedoch weiter offen bleiben, sagt Petrovic. Sie hoffe trotzdem auf eine Einigung, denn dem Verein fehle es an Geld.

Das Tierheim ist nämlich auch baufällig: Im Hof bilden sich Teerlacken, von den Wänden bröckelt der Putz, die Baupolizei macht Druck. Wegen des schlechten Zustands schlug die Stadt schon vor längerer Zeit einen neuen Platz für den Tierschutzverein vor - Petrovic lehnte jedoch ab. Der geplante neue Standort sei zu nahe bei den Anrainern, sie befürchte Ärger aufgrund möglicher Bürgerproteste.


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