Zeit am Schirm

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 28/13 vom 10.07.2013

TV-Kolumne

Es gehört in einer gewissen, postmaterialistisch gesinnten Schicht fast schon zum guten Ton zu sagen: "Fernseher? Habe ich keinen.“ Möchte man sich über die Probleme von Sarafina, Jeremy Pascal, Sarah Jane, Lavinia, Calantha, Estefania und Loredana, der noch nicht erwachsenen Kinder der RTL II-Familie Wollny, unterhalten, wird man mit einem müden Lächeln bedacht, als würde man sich die Zigarette mit einem steinzeitlichen Feuerbohrer anzünden. Es heißt dann immer: "Wenn ich mir mal die Zeit-im-Bild oder den Bachmannwettbwerb anschauen möchte, dann kann ich das ja auf meinem Laptop tun.“

Über so viel Schnöseltum kann nur den Kopf schütteln, wer seine Abende mit einer Flasche Wachauer Smaragd und einer Pizza Bufalina Prosciutto Semicrudo auf einer unterfederten Malhoun-Couch von Ligne Roset verbringt. Wann wird Fernsehen endlich in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen?


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