Nüchtern betrachtet 

Erschlag einer die Fliegen in meinem Kopf

Feuilleton | aus FALTER 28/13 vom 10.07.2013

Fruchtfliegen sind weniger leicht zu erschlagen, als man annehmen möchte. An sich ist das Problem präventiv leicht in den Griff zu kriegen: Man muss nur Sorge tragen, sie nicht mutwillig anzufüttern, dann bleiben sie eh aus. Aber wenn sie sich in der Küche erst einmal festgesetzt haben, weil die Frauen wieder einmal glauben, im Sommer Obst kaufen zu müssen, das dann eh nur depressiv vor sich hinmostet, wird man sie so schnell nicht mehr los.

Ähnliches gilt für melancholische Anwandlungen lebensbilanzierender Natur, denen man freilich mit fortschreitendem Alter nicht mehr so leicht ausweichen kann wie den Fruchtfliegenschwärmen durch kluge Zurückhaltung beim Obsterwerb. Ein Freund wird 60, die Tochter macht Matura, die Quersumme des Geburtstages des Bruders ist durch 25 teilbar. Und schon schwirren Gedanken durch den eigenen Kopf wie Fruchtfliegen zwischen Abwaschabfluss und Kühlschrankkante.

Die Lebensläufe der anderen ähneln sauber abgehakten Einkaufslisten, wohingegen meiner


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