Stadtrand Urbanismuskolumne

Sie müssen überall ihren Senf dazugeben

Stadtleben | aus FALTER 28/13 vom 10.07.2013

Wenn es Sie am Dekolleté juckt und grad keiner hinguckt, tun sie Senf drauf, einfach Senf drauf.“ So dichtete der fabulöse Max Goldt einst für seine ebenso fabulöse Band Foyer des Arts. Das hübsche Lied aus den 1980ern konnte jenen Zeitgenossen in den Sinn kommen, die unlängst bei einem großen Wiener Bettengeschäft mit Tuchenten, Bettbezügen oder Matratzen in der Schlange vor der Kasse warteten. Dort nämlich gab es - Geschenke! "Zur freien Entnahme“ war auf einem Zettel zu lesen, der an einem Körbchen befestigt war. Und was war da drin? Grillsenf in praktischen Portionsbeuteln à 20 Gramm. Geschenkt. Hey! Toll, da bekommt man zu seiner Bettwäsche Senf dazu wie am Würstelstand.

Was darf man demnächst noch erwarten? Gratis-Senfportionen beim Konditor. Oder beim Zahnarzt? Scharf oder süß? Zu jedem Neuwagen eine Portion Kremser Senf? Mode aus Paris mit Dijon. Bitte zwei Kugeln Eis und einmal den Gratissenf. Oder, um es mit Foyer des Arts zu sagen: "Verworrene Finanzen? Senf drauf! Düstere Bilanzen? Senf drauf!“

Christopher Wurmdobler ist beunruhigt: Seit Tagen stehen in der Falter-Küche Senfproben


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