Logbuch

Nein, ich wollte eigentlich nur mal sehen

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 28/13 vom 10.07.2013

22. 6., 9.40 Uhr Die L., der Kabarettist und die hübschen Söhne sind zu Besuch auf dem Land. Es ist außerordentlich nett. Ich sitze mit L. im Schatten, während der Kabarettist kocht und sich über meine Messer beschwert. Es gibt bitte kein Gesetz, dass alle Messer auf der Welt rasierklingenscharf sein müssen, und wenn irgendwo eins nur scharf ist, muss nicht ununterbrochen auf diesem Makel herumgeritten und mit guten Tipps geworfen werden. Heast! Das Essen, das er mit meinen entwürdigend unscharfen Messern herstellen musste, ist aber spitze.

25.6., 12.35 Uhr Apropos Essen und Gesetz. Da ich mich unter der Woche jetzt praktisch ausschließlich asiatisch ernähre, verabrede ich mich zum Mittagessen im Vietthao.

Das Essen dort ist auch spitze, leider muss man, wenn man mit dem Rad vom Ring aus Richtung MaHü kommt, von der Nebenfahrbahn bei der Aida zum Radweg beim Café Museum hinüberwechseln.

Dort studieren nicht nur die üblichen japanischen Touristen mitten auf dem Radweg ihren Stadtplan, sondern da steht unmittelbar daneben auch ein Polizist. Der Polizist hat, während man auf eine Gelegenheit der Straßenquerung gewartet hat, irgendwohin geschaut, nicht aber die Japaner neben sich höflich auf ihr irrtümliches und gesetzwidriges Stehen hingewiesen. Als ich den Radweg anpeile und gerade die Touristen zärtlich davon herunterbimmeln will, macht sich der Polizist darauf breit und holt mich vom Rad. Ausweis. Ich hätte eine Sperrlinie überfahren. Ich räume ein, das stimmt: Die Sperrlinie ist circa eineinhalb Meter lang und von einer Leitlinie kaum zu unterscheiden, und man kann praktisch nicht anders als darüberfahren. Der Polizist ist von dieser Erklärung völlig ungerührt, Ausweis, hat er gesagt, und dass ich die Straßenverkehrsordnung verletzt hätte.

Neben mir stehen immer noch die Japaner auf dem Radweg und blicken jetzt interessiert in meine Richtung. Ich frage den Polizisten, ob ihm eigentlich recht fad ist, der Polizist sagt: 35 Euro. Die Japaner gehen weg. Ich sage, jetzt nicht im Ernst. Im Ernst, sagt der Polizist, das war ein Vergehen gegen die StVO, und das wird bestraft, und so viel kostet das nun einmal. Sie wollen mir jetzt ernsthaft 35 Euro für diese Lappalie abknöpfen??, sage ich, das glaube ich jetzt nicht, zücke aber, weil ich eh schon spät dran bin, mein Geldbörsel und fange an, die Scheine herauszuzählen. Nein, ich will Ihr Geld eh nicht, sagt der Polizist, ich wollte nur sehen, ob Sie bezahlen würden.

Wo ich mir jetzt nicht sicher bin, ob das, weil wir hier gerade über Gesetzesübertretungen verhandeln, nicht ein wenig von den polizeilichen Dienstvorschriften abweicht.

Aber ich bin schon so spät dran, dass ich ihm einen guten Tag wünsche und weiterradle und die Japaner beklingle, die jetzt gemütlich auf dem Radweg Richtung Secession spazieren. Sayounara, euch auch noch einen schönen Tag.

Doris Knecht verheddert sich mit dem Gesetz


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