Friedrich und die Katastrophe

Zur Retrospektive des ehemaligen Documenta- und Biennaleteilnehmers Max Peintner im Kunsthaus Muerz

Lexikon | Tiz Schaffer | aus FALTER 28/13 vom 10.07.2013

Max Peintner ist überzeugt, dass die ihm gewidmete Retrospektive im Kunsthaus Muerz eine feine Sache geworden ist. "Das haben mir auch viele Leute bestätigt", sagt er im Gespräch mit dem Falter.

Peinter wurde 1937 in Hall in Tirol geboren, heute lebt und arbeitet er in Wien. Er studierte Architektur bei Roland Rainer an der Wiener Akademie der bildenden Künste, nahm 1977 an der Documenta 6 in Kassel teil und 1986 an der Biennale in Venedig. In der Steiermark war die letzte große Ausstellung des Malers im Jahr 2000 im Grazer Künstlerhaus zu sehen. Sie wurde damals von Christa Steinle und Peter Weibel kuratiert.

Den Text, den Weibel damals für die Ausstellung verfasst hatte, der kommt nun für die Ausstellung in Mürzzuschlag abermals zum Einsatz. "Er ist noch immer gültig", gibt sich Peintner pragmatisch. Weibel skizziert darin den Werdegang und die Arbeitsweise des Künstlers: Während Peintner in den 70er-Jahren "großformatige, futurologische Visionen" in "superrealistischer Manier" entwickelte, mit "irrealen Panoramen" eine "vollmediatisierte Umgebung" vorwegnahm, so wandte er sich bald danach von seinen zivilisationskritischen Sujets ab und widmete sich in der Folge der "Verbildlichung von Seherfahrung."

Der Beschäftigung mit der Wahrnehmung, mit der Eigen- und der Weltwahrnehmung, ist Max Peintner bis heute treu geblieben.

Diese Reise in die doppelten Böden unserer Sichtweise auf die Welt führte Peitner etwa auch zu einer intensiven und jahrenlangen Auseinandersetzung mit Caspar David Friedrich. Er tauchte in die Sujets des alten Meisters der Frühromantik, machte sich auf die Suche nach neuen Blickwinkeln und Brüchen, ohne dabei die Originalkompositionen aus den Augen zu verlieren. Er rückte sich teilweise auch selbst ins Bild, schuf neue Bedeutungen.

In seinem eigenen Text zur Ausstellung erkärt Peintner, warum seine Schau nun den Titel "Zeichensprache" trägt: "Das Bild müsste durch Rückbindung an ein Geflecht aller nur verfügbaren Sinneserfahrungen selbst zum Zeichen werden und mit anderen Bildern in Wechselwirkung treten."

Auch aktuelle Themen finden Eingang in die Ausstellung, so sind etwa durchaus eigenwillige Deutungen des Katastrophenortes Fukushima zu sehen. So trifft also nun Caspar David Friedrich auf Fukushima.

Um die Ausstellung in eine adäquate Form zu bringen, hat Peinter die einzelnen Zyklen nun in, wie er sie nennt, "Themenklumpen" arrangiert. Hört sich vielleicht ein wenig grob an, ist aber, wie ja eingangs schon zu lesen war, eine feine Sache.

Kunsthaus Muerz, Mürzzuschlag, bis 22.9.


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