Am Apparat  

Was wird gegen Billigabtreibungen getan, Herr Szekeres?

Telefonkolumne

Politik | Anruf: Philip Gaspar | aus FALTER 29/13 vom 17.07.2013

In einer Wiener Arztpraxis wurden Abtreibungen um 300 Euro angeboten. Dabei wurde gepfuscht und 16 Frauen mussten ins Spital. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer Wien, erklärt, wie die Kammer gegen Pfuschabtreibungen vorgehen will.

Die beschuldigte Ärztin hat bei den Abtreibungen die Narkosen selber durchgeführt und für die Eingriffe Gastgynäkologen beschäftigt. Dabei sind Fehler passiert. Wer ist dafür haftbar?

Der durchführende Gynäkologe trägt bei Fehlbehandlungen die Schuld. Die Verantwortung der Ordinationsinhaberin wird noch geprüft. Sollte es zu Fehlern bei der Narkose gekommen sein, wird sie dafür belangt.

Es kam bereits Jahre vorher zu Beschwerden über die hygienischen Verhältnisse in der Praxis. Warum wurde sie nicht eher geschlossen?

Es gab mehrfach Schließungen der Ordination wegen Hygieneproblemen. Als diese beseitigt wurden, bewilligte die MA 40 die Wiedereröffnung.

Darf die Ärztin weiterarbeiten?

Es gibt eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft und ein vorläufiges Berufsverbot gegen die Ärztin. Für ein dauerhaftes Berufsverbot ist die Ärztekammer zuständig. Deswegen läuft bei uns auch ein Verfahren gegen sie.

16 Frauen mussten wegen teilweise schweren Verletzungen ins Spital. Weiß man von weiteren Opfern dieser oder anderer Kliniken?

Uns sind 16 Fälle bekannt, wir wissen nicht, wie viele Frauen insgesamt in der Klinik behandelt wurden. Es gibt keine Verfahren der Ärztekammer gegen andere Abtreibungskliniken.

Gesundheitsminister Alois Stöger will eine von der Ärztekammer unabhängige Kontrollbehörde. Diese soll die Qualität der Behandlungen überprüfen. Was halten Sie davon?

Das würde Sinn machen. Die derzeitige Behörde der Ärztekammer, die ÖQMed, ist dazu nicht befugt. Sie überprüft nur die Hygiene und andere Abläufe.


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