Mediaforschung  

Wie wird ein Sowjetpanzer zum Hammer, Herr Zinner?

Verführungskolumne

Medien | Joseph Gepp | aus FALTER 29/13 vom 17.07.2013

Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen“ steht in der Bibel. Eine deutsche Baumarktgruppe hat dieses Zitat nun wörtlich genommen, zumindest fast.

Vergangenes Jahr kaufte das Unternehmen Hornbach von einem Privatsammler einen demilitarisierten tschechoslowakischen Panzer sowjetischer Bauart. Es war ein fahrtüchtiger BMP-1, Baujahr 1984, 13,5 Tonnen. Die Hornbach-Werber ließen den Panzer einschmelzen und aus dem Stahl 7000 Hämmer fertigen. In streng limitierter und nummerierter Auflage (und in ansprechender Verpackung) gingen die Werkzeuge dieser Tage über die Ladentische deutscher und österreichischer Baumärkte. Was einst im Westen Schrecken verbreitete, liegt heute also als Marketing-Gag neben der Baumarkt-Kassa.

"Die Aktion war ein voller Erfolg“, freut sich Josef Zinner, Pressesprecher von Hornbach Österreich. Der Restposten der Roten Armee hat Zinners Firma zur wohl aufsehenerregendsten Werbeaktion ihrer Geschichte verholfen. Nach nur vier Tagen waren die Hämmer ausverkauft - trotz des Preises von 25 Euro. Hunderttausende klickten zudem auf jene Werbevideos im Internet, die die Verwandlung vom Panzer zum Hammer darstellen. Selbstverständlich sind sie unterlegt von grobschlächtigen Männergesichtern und martialischem Soundtrack.

Fragt sich nur: Was kann man auf so eine Aktion noch draufsetzen? Dieselbe Sache ein zweites Mal wäre abgeschmackt, sagt Zinner. "Vielleicht“, scherzt er, "kaufen wir ja bald einen Draken und machen Wasserwaagen daraus.“


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