Enthusiasmuskolumne  

Songs, die zu schön für die Schublade sind

Diesmal: Das beste verschollene Album der Welt der Woche

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 29/13 vom 17.07.2013

Paddy McAloon ist der vielleicht genialste Songwriter der letzten 30 Jahre. Nur wissen das leider die wenigsten. Für einen kurzen Moment Mitte der 80er-Jahre, als seine Band Prefab Sprout mit dem Album "Steve McQueen“ kommerziell erfolgreich war, schien es, als könnte der Brite mit seinen ebenso emotionalen wie klugen Songs eine Weltkarriere machen. Stattdessen ist der unter einer komplizierten Augenkrankheit leidende McAloon langsam von der Bildfläche verschwunden.

Brian Wilsons "I Just Wasn’t Made for These Times“ passt auf McAloon wie auf wenige sonst. Als Zeitgenosse von Gershwin hätte er sich gewiss wohler gefühlt als in der Gegenwart. Konsequenterweise gibt es denn auch seit Jahren keine offizielle Website von Prefab Sprout mehr.

Umso größer war die Aufregung, als vor einem Monat ein bislang unbekanntes, aber brillantes Album der Band auf der Plattform Soundcloud auftauchte. Wenige Tage später war "Devil Came A-Calling“ wieder spurlos verschwunden. Die Songs seien dem Meister zu schwermütig geraten, verlautete aus dem Sprout-Lager.

Der Perfektionist McAloon hat in Interviews immer wieder gestanden, dass er in seinem Archiv zahlreiche halbfertige oder auch tatsächlich fertiggestellte Songzyklen hortet, die er nicht bzw. noch nicht zur Veröffentlichung freigeben möchte.

Dass man gerade in Zeiten, in denen illegale Up- und Downloads an der Tagesordnung sind, die Macht über die eigene künstlerische Arbeit behalten will, ist richtig und wichtig. Andererseits ist es schlicht ein Wahnsinn, der Welt bittersüße Gänsehautnummern wie das herausragende "Billy“ vorzuenthalten. Immerhin hat es dieser eine Song bislang geschafft, sich McAloons Kontrolle zu entziehen. Man findet ihn auf Youtube.


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