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Gegenwartsdiagnosen des Philosophen Byung-Chul Han

Feuilleton | aus FALTER 29/13 vom 17.07.2013

Als eine "Hölle der Gleichen“ charakterisiert der in Karlsruhe lehrende und aus Seoul gebürtige Philosoph Byung-Chul Han das, was er in seinem Essay als "Transparenzgesellschaft“ schon im Titel als gegeben voraussetzt. In einzelnen Kapiteln wird dann u.a. auch noch die "Enthüllungsgesellschaft“, "Pornogesellschaft“ oder "Kontrollgesellschaft“ aufgerufen, in der wir angeblich leben. Das alles wird vorgetragen in einem angeregten Parlando, das immer wieder hübsche ("Es gibt keine Erotik der Transparenz“) oder übertrieben blumige Bonmots zeitigt ("Die Transparenz duftet nicht“) und zwischen Augustinus und Agamben, Hegel und Heidegger, Sartre und Sennett oder Barthes und, no na, Baudrillard wenig auslässt, was gut und teuer ist. Sieht man vom Like-Button oder Google als kulturkritischen Chiffren ab, gibt es allerdings auffallend wenig Realien, die aufgerufen würden, sodass es bei der apodiktischen Behauptung bleibt, Transparenz sei irgendwie die neue Verblendung. Ja eh.


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