Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 29/13 vom 17.07.2013

Pop

Jay-Z: Magna Carta Holy Grail

Dass Jay-Z als Fortysomething-Rapper und Neo-Papa nicht mehr die Kids von der Straße anspricht, ist kein Thema. Wie sehr er sich auf diesem von Markennamen (ein Song heißt einfach "Tom Ford“), eher peinlichem Namedropping (Instagram, Miley Cyrus) und Kunstsammler-Fantasien ("Picasso Baby“) durchzogenen Album im Zelebrieren seines Lifestyles verliert, wäre auch kein Problem. Nur hört man der Musik leider an, wie satt der Künstler ist. Wenige Ausnahmen (etwa "Heaven“) zeigen immerhin, dass noch was gehen würde. (Def Jam) sf

Jazz

Christoph Irniger Trio: Gowanus Canal

Wer keinen Pianisten hat, der ihm Harmonien auslegt und mal ein Soli übernimmt, muss sich als Saxofonist schon was einfallen lassen. Der junge Züricher Christoph Irninger hat damit kein Problem: Man kann hören, dass er denken kann - ohne dass die Stücke (ein Drittel stammt vom Bassisten Raffaele Bossard) je verkopft wirken. Kaum je übers Midtempo hinausgehend, entlockt er seinem Tenor, das altogleich, nie aber körperlos klingt, introvertierte Hymnen von schlafwandlerischer Wachheit. Let’s call it sophisticated soft-shoeing! (Intakt) KN

Klassik

Paul O’Dette: Il divino

Francesco Canova muss ein außergewöhnlicher Musiker gewesen sein; von Zeitgenossen wurde der Renaissancekomponist schlicht "Il divino“ genannt. 36 kurze Werke hat der Lautenist Paul O’Dette nun aufgenommen, geschickt miteinander verknüpft und so eine abwechslungsreiche Dramaturgie geschaffen. Mit einfachsten Mitteln gelang es Canova, Musik von unglaublicher Klangschönheit zu schaffen. In Paul O’Dette hat er seinen Meister gefunden; kaum jemand spielt die Laute gleichzeitig so virtuos und beseelt wie er. (Harmonia Mundi) mda


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