Ohren auf  

Kate Bush als Fürstin der Unterwelt

Interessante Stimmen

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 29/13 vom 17.07.2013

Kabinenparty!“ Klar, so hat ein Sommerhit zu klingen. Doch siehe da, man kann die heiße Jahreszeit auch ganz anders in Worte fassen. "Eis tropft nicht klebrig auf mein Kleid, ich schwitze nicht, und auch Sonnencreme wär verschwendet - ich brauch sie nicht, weil ich nicht hier bin unter den Nackten am See“, singen Verena Dürr und Ulla Rauter auf ihrem Debüt, das schlicht den Bandnamen Bis eine heult als Titel trägt (Kontakt: www.biseineheult.at).

Das Lied heißt "Abwesen“, durchstreift die Jahreszeiten und handelt doch nicht von Frühling, Sommer, Herbst und Winter, sondern von Autonomie und Identitätssuche. Eigentlich sind die beiden jungen Wienerinnen Medienkünstlerinnen, als Singer/Songwriter-Duo gewinnen sie dem deutschsprachigen Chanson neue Facetten ab. Die Musik ist aufgeweckt und variantenreich, die Texte sind eigenwillig, prosaisch und schön.

Wo Dürr und Rauter recht freundlich und verbindlich tönen, regiert bei Mary Ocher die Angriffslust. Die in Berlin lebende israelische Künstlerin und Musikerin nennt ihr neues Album zwar "Eden“ (Buback), nach Paradies klingen die 14 Lieder aber kein bisschen. Mit raumgreifender, mal tiefer, dann wieder schneidender und durchaus etwas bedrohlicher Stimme bewegt sich Ocher trittsicher zwischen Kunstlied, Schlafzimmer-Bastelei, Klavierballade, Riot-Pop, Ambient und Indierock der PJ-Harvey-Schule.

Markante Stimme und spezielle Musik, das gilt auch für die Schwedin Anna von Hausswolff. Ihr Lieblingsinstrument ist die Kirchenorgel, ihr Zuhause das Schattenreich; sanfte Dröhnung, feierliche Stimmung und betörender Pop gehen da Hand in Hand. Erst nach zehn Minuten erhebt sie auf "Ceremony“ (City Slang) erstmals ihre Stimme. Sie klingt frappant nach Kate Bush, nur ist die hier kein Elfenwesen, sondern eine Fürstin der Unterwelt. "Deathbed“ heißen die Lieder oder "Funeral for My Future Children“; mit "Liturgy of Light“ und "Sun Rise“ gibt es aber auch Licht am Ende des Tunnels.

Bis eine heult live: 27.7. beim Popfest


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