Logbuch

Das ist der Erholung überaus förderlich

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 29/13 vom 17.07.2013

Doris Knecht schickt liebe Grüße aus Kroatien

9.7. Kroatien. Same place, same time, same as it ever was. Man begrüßt sich freudig: der Barkeeper in der Bar Maestral, die Verkäuferin im Supermarkt, die Kellner im Dorfwirtshaus, das sich aber insofern zum Positiven verändert hat, als dort jetzt ein Alzerl besser gekocht wird. Dieselbe alte Karte zwar, die seit zehn Jahren unverändert im selben braunen Plastikmapperl steckt, aber die mit mehr Liebe. Plus man beweist einen geradezu verwegenen Mut zum frischen Krumpir anstelle der gewohnten Industrietiefkühlware. Bravo, wenn das so weitergeht, gibt es nächstes Jahr vielleicht gar von dem Rosmarin dazu, der dort in dicken Büschen alle Wege säumt und allgemein als Hecke betrachtet wird, nicht als Kraut.

Und, genau, wir wohnen nicht mehr mit den Horwaths im gleichen Haus. Weil es darin so eng und crowded ist, dass wir in der zweiten Woche immer alle einen Gitzi und uns darüber in die Haare kriegen, wer was wann warum für wen und wie kocht, wohnen wir jetzt 100 Meter weiter. Zwischen uns liegen nun eine Kapelle und zwei Häuser. Das entspricht ungefähr der Situation im Waldviertel, das hat sich bewährt und ist der Harmonie, der guten Stimmung und damit dem Erholungsverlauf überaus förderlich.

10.7., 9.20 Uhr. Sonst alles wie immer: die tupfgleichen Fotos, mit ein paar neuen alten Fransensonnenschirmen und bunten Textilluftmatratzen, die der Horwath übers Jahr auf verschiedenen Flohmärkten zusammengekauft hat, damit sie dann in Kroatien auf den Fotos eine gute Idylle machen. Und auch heuer steht der Horwath täglich zeitig in der Früh auf und rammt als Erstes die Schirme wie Panzersperren in den Strand, damit die Damen und Kinder, wenn sie später Schatten suchen, auch zuverlässig einen finden. Vorbildlich.

12.7., 17.35 Uhr. Auch der Malvasia schmeckt wie jedes Jahr, wir nehmen ihn auf bunten Campingsesseln im Schatten der Olivenbäume ein. Nur die Kinder sind wieder ein Stück gewachsen und spielen jetzt nicht mehr mit Sandeimerchen, sondern inszenieren, weil die Bora das Meer unbenutzbar kalt gemacht hat, mit britisch benamsten Seeigeln "The Hunger Games“, was jetzt alle Kinder lesen. Was alle Eltern wegen dezidierter Brutalität nicht so toll finden, aber bitte, es ist ein Buch. Niemand nimmt einem Kind das Buch weg, das es endlich, endlich liest.

13.7., 16.12 Uhr. Und, ach ja, der Horwath hat ein neues Boot. Ein neues altes gelbes Semperit-Gummiboot mit der poetischen und rätselhaften Inschrift "Tender to forever“. Wenn es beidreht, sieht es wie eine zart angewelkte Banane aus, wir taufen es feierlich auf den Namen Chiquita. Die Chiquita hat einen Zweitaktmotor, der von der Lautstärke wie vom Tempo her in etwa unserem Rasenmäher entspricht. Wenn der Horwath einen eine Stunde lang damit die Küste entlang schippert, ist das schön, aber taub wird man. Und manche auch seekrank … Entschuldigung, ich muss kurz.


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