Film Preview

Romantik am Fabriktor: "Die Werkstürmer"

Lexikon | JOACHIM SCHÄTZ | aus FALTER 29/13 vom 17.07.2013

Zuerst der Eintrag für die Geschichtsbücher: So viel Action rund um ein Fabriktor gab es noch in keinem österreichischen Spielfilm. Ansonsten präsentiert Andreas Schmieds Komödie "Die Werkstürmer" Sozialpartnerschaft als volkstheatralischen Normalzustand: Der Chef ist auch nur ein armes Würstel, der zu Lohnverhandlungen ins Steirische entsandte Gewerkschaftler ein arroganter Wiener, die Fäden halten - Achtung: Gegenwartsrelevanz! - die "Private-Equity-Hanseln" eines internationalen Konsortiums in der Hand.

Die Lösung lautet Arbeitersolidarität, schaut aber (wie so oft im europäischen Wohlfühlkino) verdächtig nach lokalem Wir-sind-wir-Chauvinismus aus. Gewerkschaftlerin Babs (Hilde Dalik), nach Wien entkommen, muss beim Einsatz daheim in Falkenberg ihre Wurzeln und eine alte Liebe entdecken. Exfreund Patrick (Michael Ostrowski) darf am Werkstor beweisen, dass er im fabrikeigenen Fußballverein nicht nur die Kunst des taktischen Fouls, sondern auch Teamspielen gelernt hat.

Die Dramatik des Arbeitskampfs bleibt in Schmieds geschäftigem Drehbuch so sehr Andeutung wie die meisten Nebenfiguren, als erzkonventionelle romantische Komödie ist "Die Werkstürmer" aber ungleich trittsicherer als etwa zuletzt die "Zweisitzrakete": Deren Pilot Manuel Rubey war nie besser als hier in der genüsslich ausgekosteten Chargenrolle des herablassenden Managers, und die Schlagabtäusche zwischen Dalik und Ostrowski kommen öfter in Reichweite genuiner Screwball-Dynamik. Nach "Kleine Fische" (2009) erbringt "Die Werkstürmer" erneut den Beweis, dass unverbindlich freundliches Themenunterhaltungskino auch in Österreich möglich ist. Wem das gefehlt haben soll, ist eine andere Frage.

Ab Do in den Kinos


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