Kunst Kritik

Ein Gruß an alle, die nicht hier sein können

Lexikon | NS | aus FALTER 29/13 vom 17.07.2013

Am Boden lehnt ein Flatscreen, allerdings mit dem Bildschirm zur Wand. Der Betrachter sieht also nichts, aber aus dem Begleitheft zur Schau "The Content of Form" in der Generali Foundation ist zu erfahren, dass eine Webcam-Übertragung vom Hauptsitz des Versicherungskonzerns läuft. Kein Künstler hatte diese Idee, sondern Kurator Helmut Draxler, der die Schau so mit anderen Orten verbinden will. Er hat anlässlich des 25-jährigen Bestehens der privaten Kunstinstitution die Auswahl für die zweite von drei Sammlungsausstellungen getroffen und eine Fülle von Regieeinfällen mitgebracht. Die Schau wirkt zunächst sehr einladend und freundlich, was mit dem Einsatz von Wandfarben zu tun hat. Offenheit signalisieren auch die großen Reproduktionen von Gemälden alter Meister, die fürstliche Kunstsammlungen zeigen. Aber schon die groß auf die Wände gedruckten Namen (Hans Haacke, Valie Export, Sabine Breitwieser u.a.) sorgen für Verwirrung: Draxler zeigt nicht ihre Arbeiten, sondern "repräsentiert" sie nur über Namedropping.

"Repräsentation", "Konversation" und "Genealogie" sind die leitenden Begriffe dieser Schau, deren Ansprüche sich auf Insiderhöhe bewegen. So erinnert Draxler etwa durch großformatig reproduzierte Installationshots an frühere Ausstellungen. Im Jahr 2000 wurde die Schau "Vivencias" gezeigt, die südamerikanische Positionen der 1960er-und 70er-Jahren präsentierte, die die Betrachter einbeziehen wollten. Eine Arbeit daraus nun in der Abteilung "Konversation" wiederzufinden, macht absolut Sinn, es wird nur nirgends erklärt. Die Schau wird der komplexen Kunst und der Sammlungsgeschichte nicht nur gerecht, sie erzeugt wieder eine eigene Hermetik. Wie zur Versöhnung erhält dafür jeder Ausstellungsbesucher, der möchte, den 665 Seiten schweren Sammlungskatalog von 2003 geschenkt.

Generali Foundation, bis 25.8.


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