"Es sollte nach Popfest klingen"

Der Elektronikproduzent Patrick Pulsinger über das von ihm kuratierte vierte Popfest Wien

Lexikon | Interview: Gerhard Stöger | aus FALTER 30/13 vom 24.07.2013

Von A wie A. G. Trio bis zu Z wie Zanshin: Vom 25. bis 28. Juli wird der Karlsplatz wieder zur Popzone. Mehr als 40 österreichische Bands treten beim vierten Popfest vor der Karlskirche und in den umliegenden Locations auf, zum sonntäglichen Abschluss wird erstmals auch die Kirche selbst mit zwei Elektronikkonzerten zur Festivalspielstätte; der Eintritt ist durchwegs frei. Kuratiert hat heuer der Elektronikproduzent, Studiobetreiber und DJ Patrick Pulsinger.

Falter: Herr Pulsinger, trotz Ihrer Nähe zur Technokultur haben Sie das Popfest als Kurator keineswegs in ein Elektronik-Festival verwandelt. Absicht oder Zufall?

Patrick Pulsinger: Beides. Ich wollte ein Popfest machen, das möglichst breit aufgestellt ist - von Elektronik bis Gitarre, von Hip-Hop bis zu Singer/Songwritertum, dazu diverse Ausreißer. Es sollte aber schon erkennbar nach Popfest klingen. Würde ein neuer Kurator komplett mit dem bisherigen Popfest-Konzept brechen, fände ich das zwar interessant, aber mein Style ist das nicht.

Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe als Programmverantwortlicher?

Pulsinger: Die Menschen mit Sachen anzulocken, die sie vielleicht kennen, und sie im nächsten Moment total zu überraschen. Man hört immer wieder die Kritik, wie ähnlich sich Festivals heutzutage sind, und dass es immer dieselben Headliner gibt, während die wenigen interessanten Acts auf einem Parkplatz spielen müssen. Beim Popfest begegnen sich alle auf Augenhöhe. Man teilt sich eine Bühne, und das finde ich gut.

Gibt es einen roten Faden im Programm?

Pulsinger: Bei einem schönen Muster braucht es keinen roten Faden, finde ich. Den benötigt man nur, wenn man sich sonst nicht zurechtfindet.

Sie sind seit gut 20 Jahren in der Wiener Szene präsent. War es hilfreich, dass Sie so viele Acts persönlich kennen, oder war das für das Kuratieren auch ein Problem?

Pulsinger: In erster Linie war es hilfreich, aber ich habe niemanden gebucht, weil er ein Haberer von mir ist. Du versuchst, mit Leuten zu arbeiten, deren Arbeit du schätzt, und du versuchst, Qualität zu buchen. Natürlich gibt es da gewisse Überschneidungen. Bauchklang ist so ein Beispiel. Die haben noch nie beim Popfest gespielt, also musste ich es wegstecken, dass ich ihr aktuelles Album produziert habe.

Als DJ, Musiker und Produzent wissen Sie es selbst am besten: ohne guten Sound keine Party. Auf der Karlsplatz-Open-Air-Bühne ist die Musik einfach immer zu leise. Kann man da nichts machen?

Pulsinger: Nein, denn es gibt einen festgelegten Schallpegel, der in ganz Wien nicht überschritten werden darf. Einmal ganz davon zu schweigen, dass sich mit diesem Budget auch keine größere Anlage realisieren ließe. Würde das Popfest ideologisch aufgewertet, gäbe es vielleicht mehr Geld und eine Ausnahmegenehmigung für etwas mehr Sound. Die Party käme dann sicher besser ins Rollen. Vorerst muss man das Popfest als das nehmen, was es ist, und das habe ich auch den Bands erklärt. Es ist ein bisschen popelig und beamtenmäßig und alles in allem natürlich typisch wienerisch - bis hin zu den paar Anrainern, die sich aufregen.

Typisch wienerisch wäre es freilich auch, darüber zu raunzen. Sie tun das nicht.

Pulsinger: Ich versuche lieber, das Beste aus den gegebenen Möglichkeiten zu machen. Die Alternative zum Popfest in dieser Form ist vorerst ja kein Popfest. Und was ist das denn für eine Alternative? Klar wäre ein Popfest unter etwas anderen Bedingungen schön. Noch wichtiger aber ist, dass es das Popfest überhaupt gibt.

Wie kommt es, dass am Sonntag erstmals auch die Karlskirche bespielt wird?

Pulsinger: Diskutiert wurde das schon länger, jetzt hat es erstmals geklappt. Aus anderen Sachen wurde leider nichts, einer Filmnacht im Künstlerhauskino etwa. Aber vielleicht kann so manches ja vom nächsten Kurator oder der nächsten Kuratorin aufgegriffen werden.

Als nächster großer Popact aus Wien gilt André Hellers Sohn Left Boy. Warum spielt er nicht beim Popfest?

Pulsinger: Ich habe ihn eingeladen, aber aus verständlichen Gründen war das für ihn finanziell nicht interessant. Left Boy hat letztes Jahr zweimal hintereinander die Arena ausverkauft, warum sollte er sich beim Popfest präsentieren? Ich verstehe jede Band, die nicht da spielen will. Das heißt ja nicht, dass sie das Popfest dadurch disst. Vielleicht ist es für sie einfach nicht die geeignete Präsentationsform, vielleicht ist sie auch darüber hinaus. Und dann freue ich mich, denn es ist ja schön, mit seiner Musik aus Wien rauszukommen.

Karlsplatz, 25. bis 28.7., Information: popfest.at


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