190 Laufmeter Luxus

Haben wir das wirklich gebraucht, um uns Weltstadt nennen zu dürfen? Zu Besuch im Goldenen Quartier, Wiens teuerstem Häuserblock

Stadtleben | Reportage: Barbara Tóth | aus FALTER 30/13 vom 24.07.2013

Nennen wir ihn Tayo Eze. Mit ihm lässt sich diese Geschichte gut beginnen. Tayo kommt aus Nigeria. Seit sieben Jahren lebt er in Österreich. Er hat eine Wohnung am Handelskai und ist Baumaschinentechniker. Besser gesagt, er war es. Denn jetzt trägt Tayo einen dunkelgrauen Anzug, weißes Hemd und Krawatte und steht mit einem kleinen Knopf im Ohr beim Lieferanteneingang des Juweliers Wagner auf der Tuchlauben im Herzen der Innenstadt. Tayo bewacht im Auftrag des Sicherheitsunternehmens Helwacht Louis Vuitton, das ist der dreigeschößige Laden gegenüber.

Im Rücken Rolex, im Auge Luxushandtaschen, von denen eine zehnmal so viel wert ist wie sein Monatsgehalt. Nein, dass er hier einmal landen würde, das hätte Tayo sich nicht gedacht. Aber er macht es gerne.

Wenn ihn jemand fragt, wie weit es noch zur Hofburg ist, weist er freundlich den Kohlmarkt rauf. Wenn ihn Touristen darum bitten, sich mit ihm fotografieren zu lassen, spannt er seinen Brustkorb wie ein Gardist. Wenn er lächelt, sieht


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