Logbuch

Gibt's heute also einmal Burenwurst

Doris Knecht ist zum Glück keine Pädagogin

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 30/13 vom 24.07.2013

15.7., 16.30 Uhr. Zurück aus Kroatien, gleich ab aufs Land. Es ist eine extrem deppate Idee, ein Landhaus ausgerechnet im schönsten Sommer zwei Wochen nicht aufzusuchen, weil man es danach erst einmal finden muss. Irgendwo in dem wahnsinnigen Gebüsch hier muss es sein. Hast du zwischen den Haselnüssen geschaut? Und unter dem Flieder? Eine Machete wäre jetzt fein und einer, der sie bedienen kann.

Auch die Zucchini, der Mangold und der Salat hatten gegen das Gewucher und die Schnecken keine Chance. Der Lange sagt, dass er immer schon gesagt hat, dass es ein Blödsinn ist, Gemüse anzubauen, das es viel besser und sauberer im Supermarkt gibt; jaja. Der Rasen ist kniehoch. Der wilde Wein versperrt den Eingang in den Schuppen.

Die Ribisel sind reif, alle Ribisel, sehr, sehr viele Ribisel, und hatten wir nicht mal eine Wäscheleine, irgendwo dahinten, wo jetzt die mannhohen Brennnesseln wuchern? Ich wollte diese Woche eigentlich schreiben.

19 Uhr. Die Haussitter haben das Haus in tadellosem, beinahe sterilem Zustand hinterlassen; keine Klagen, und der Kühlschrank ist voll mit interessanten Dingen, die man seit Jahren nicht gegessen hat. Gibt's heute also einmal Burenwurst, okay.

16.7. Gerodet. Nichts geschrieben.

17.7. Ribiseln gebrockt und eingekocht. Nichts geschrieben. Dem Unkraut das Gemüsebeet entrissen. Nichts geschrieben.

18.7. Den Mimis beigebracht, wie man Freundschaftsbänder knüpft. Es gibt, wie sich wieder einmal zeigt, viele Gründe, warum ich nicht Pädagogin geworden bin; gute Gründe. Nichts geschrieben.

19.7., 17.40 Uhr. Die Horwathin, die das Kopfgekratze der Kinder noch vor ein paar Tagen auf das Salz im Meer geschoben hat, schaut herüber: schlechte Nachrichten. Sie hat am kleinen Horwath Läuse gefunden. Ich bin unüberrascht. Ich bin auch total gelassen, denn das eine Mimi, dem ich im Laufe seines Lebens ungefähr zehn Mal die dicken, meterlangen Prinzessinnenhaare mit dem Nissenkamm durchgearbeitet habe, trägt seit einiger Zeit Kurzhaarschnitt. Kinder! Langer! Antreten, hinsetzen, Lausshampoo.

19.7., 18.30 Uhr. Die halbe Familie ist verlaust. Ich schicke ein paar SMSe an ein paar Mütter; große Begeisterung allerorten, besonders bei denen, die gerade am Urlaubsort angekommen sind. Immerhin eine schöne Gelegenheit, wieder einmal alle Betten frisch anzuziehen. Langer, wärst du so freundlich? Der Lange: Wo haben wir die Bettwäsche? Das meint er jetzt nicht ernst. Doch, der scheint das ernst zu meinen. Nichts geschrieben.

20.7., 16.35 Uhr. Im Freibad mit den Kindern und dem Horwath. Der Horwath, der Teufelskerl, kann zaubern: Er macht, dass es schon fünf ist. Meine Hochachtung.

22.30 Uhr. Nichts geschrieben.

21.7., 8.50 Uhr. Schreiben, endlich. In der Laube ist es schattig, der Laptop läuft, der Kaffee dampft, das Mimi kommt, um zu melden, dass ihm gerade eine Laus aus der Frisur gekrabbelt ist. Okay. Noch einmal antreten; ja: alle.


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