Enthusiasmuskolumne

Äkta människor och sex av som stäkkdösen

Diesmal: Die beste skandinavische Serie der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 30/13 vom 24.07.2013

Es verging in den letzten Wochen und Monaten kaum ein Tag, ohne dass irgendwo über das dänische/skandinavische "Serienwunder" berichtet worden wäre. Frei nach dem Motto "Warum können die was, was wir nicht können?!" überschlug man sich vor Begeisterung für Serien wie "Kommissarin Lund","Borgen", et al.

Zwar hat sich der ORF nicht eben den Ruf eines Blitzgneißers in Sachen Serienübernahmen erworben, aber irgendwo läuft eh immer was, und wenn man's auf Arte verpasst hat, kann man ja später die DVD ordern - wie etwa nun im Falle der schwedischen SF-Serie "Äkta människor", was auf Deutsch soviel bedeutet wie "Echte Menschen" - ein politischer Kampfbegriff jener, die die menschliche Rasse Hubots (= human robots) nennt. Mit Strom aus der Steckdose betrieben, dienen sie etwa als Haushaltshilfen oder Sexsklaven, werden aber zusehends auch von Menschen als Wesen akzeptiert, zu denen man emotionale oder amouröse Beziehungen unterhält.

Das Spannende an "Real Humans" (so der internationale Verleihtitel) ist die permanente Neujustierung der Grenze zwischen "uns" und "denen". Was die philosophische Dynamik von Science-Fiction à la Philip K. Dick, aber auch von Serien wie "True Blood" bestimmt, wird hier ganz ernsthaft und unzynisch in den wohl tatsächlich spezifisch skandinavischen Rahmen einer Sorge um die political correctness gestellt.

Weniger die hysterische Frage, ob sie uns eines Tages nicht doch noch kriegen, als die Verhandlung dessen, was sozial angezeigt und zulässig ist, steht im Zentrum der ebenso cleveren wie stylischen Serie. Das hat auch seine komischen Aspekte: Gegen eine lesbische Pastorin hat die Gemeinde selbstverständlich gar nichts einzuwenden, aber ein Hubot, der in die Kirche beten geht, löst einen Aufstand aus.


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