Bücher, entstaubt

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Politik | Franz Kössler | aus FALTER 30/13 vom 24.07.2013

Nelson Mandelas schwieriges Erbe

"Nie haben wir gedacht, dass unsere eigenen Leute bei der ersten Gelegenheit gleich korrupt sein würden wie das Apartheid-Regime": Nelson Mandela, der sich 1999 zurückgezogen hat, sieht schon zwei Jahre später seinen Traum einer versöhnten, multiethnischen Demokratie im Sumpf der Armut, Ungleichheit und Korruption untergehen.

Der Sündenfall geschieht unter Mandelas Nachfolger Thabo Mbeki und wirkt bis heute nach. Um fünf Milliarden Dollar rüstet die ANC-Regierung das Militär auf. Schiffe, Hubschrauber, Flugzeuge werden in Europa gekauft - Schmiergelder in Millionenhöhe fließen in die Parteikassen. Andrew Feinstein, Sohn jüdischer Wiener Emigranten, ist einer der wenigen weißen Aktivisten des ANC. Nach der Wende wird er ins Parlament gewählt und kämpft im Untersuchungsausschuss hartnäckig für die Aufklärung des Skandals.

Der ANC-Führung ist die neu errungenen Macht wichtiger als Transparenz und Glaubwürdigkeit. Der Kritiker aus den eigenen Reihen wird unter Druck gesetzt, bis er aufgibt und auswandert. 2014 gibt es Präsidentschaftswahlen, zum ersten Mal wählt die Generation, die nach dem Apartheid-Regime geboren wurde. Für sie hat der ANC den Mythos der Befreiungsorganisation verloren und den Geruch der korrupten Macht erworben. Es wird sich rächen, dass Feinsteins Bemühungen um Aufklärung damals abgewürgt wurden.

Andrew Feinstein: After the Party: Corruption, the ANC and South Africa's Uncertain Future. Verso, 308 S., € 19,-


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