Erst das Innehalten, dann die Wut - das Landschaftsbild nach Photoshop, vor Krško

Lexikon | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 30/13 vom 24.07.2013

Es ist kein prononciert romantischer Blick, den das serbische Künstlerduo diStruktura (Milica Milićević und Milan Bosnic) auf die Welt wirft und in Fotos und Ölbildern festhält, auch wenn es kurz den Anschein hat. In den Fotografien stehen Rückenfiguren à la Caspar David Friedrich vor der Landschaft und scheinen auch, wie ihre Vorbilder aus dem 19. Jahrhundert, in ehrfurchtsvolles Staunen oder gedankenschweres Innehalten versunken. Manchmal reichen sie sich dabei auch noch die Hände, als wäre das Erleuchtungsprogramm einer verqueren Sekte zu bewerben. Allein die Motive ihrer Hingabe sind oft seltsam. Statt Sonnenuntergängen oder Meeresblicken stört das Atomkraftwerk von Krško die Idylle oder es ist einfach ein wenig viel Wald um sie herum. Wenn sie dann auch noch als Gruppe junger, tätowierter Männer auftreten, nimmt ihre stille Art schnell bedrohliche Züge an.

Der Titel der Ausstellung in der Galerie Eugen Lendl (bis 10.8.) macht schnell klar, dass es den beiden Künstlern weniger um ein Nachbeten alter Bildformeln als vielmehr um die Diskussion sich verändernder Wahrnehmungsbedingungen geht: "Next Landscape", das ist die Landschaft, wie sie vom Auto aus und nach Photoshop zum Bilde wird. In den Ölmalereien des Duos bleibt die holländische Landschaft nicht lange das, was sie bei van Goyen oder van Ruysdael noch ganz selbstverständlich war. Breite Photoshop-Radiererbahnen oder Error-Codes durchpflügen den Himmel über der geschwindigkeitsverliebt verwischten Weite, manchmal bis zur völligen Auslöschung. Nach dem missglückten Innehalten kommt die Wut. Und nach ihr gute Malerei und kluge Bilder.


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