Die Fröhlichkeit abseits des Selbstzweifels: Betrachter, greif doch selbst zu!

Lexikon | Kritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 30/13 vom 24.07.2013

Die Galerie remixx zeigt bis 18.9. "Retrospektive Aspekte" des Werks von Heribert Nothnagel, schließt die gezeigte Auswahl an Arbeiten des steirischen Künstlers doch nicht nur Skulpturen und Bilder aus den letzten zehn Jahren, sondern auch Rückgriffe auf weit frühere Modelle ein: auf eine Zeit, als Nothnagel in der Galerie nächst St. Stephan ausstellte und recht leicht als Wotruba-Schüler erkennbar war. Seine Abstraktionen figürlicher Grundhaltungen verhehlen das nicht. Dieselben hat er freilich nicht in Bronze oder Stein, sondern, den eigenen Ursprüngen als geborener Seckauer folgend, in Holz, dem Material, das er "seit der Kindheit im einschichtigen Bauernhof der Eltern" gewohnt ist, verfertigt. Die aktuelleren Werkgruppen machen deutlich, dass der leidenschaftliche Techniker seinem Anspruch, die Bandbreite an farblichen und formalen Möglichkeiten der Moderne auszureizen, treu geblieben ist. Das lässt sich an Themen wie dem Objektwerden des Bildes ablesen. Auch das "Heimatliche" spielt weiter eine Rolle, aber nicht als traniger Einflüsterer klischeehaften Zeugs, sondern als Impulsgeber für zeitgemäß bildnerische Auseinandersetzungen, wie die "Spaltungen", abstrahierte Abkömmlinge des Zimmermannhandwerks, deutlich machen.

Nothnagels Werke bleiben, wie die seines Kollegen Gustav Zankl, spielerisch erfahr- und veränderbar. Aus umgruppierbaren Elementen zusammengestellt, bieten sie dem beherzt zugreifenden Konsumenten dann oft mehr als nur die eine Ansicht oder Lösung an. Um mit Günter Eisenhut zu sprechen, zeigen sie "die Fröhlichkeit einer Moderne, welche noch nicht an sich zu zweifeln begonnen hat".


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