Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 30/13 vom 24.07.2013

Der Vorspann ist so etwas wie die Monstranz einer TV-Serie, vor der sich der Gläubige andächtig niederkniet. Grafisch verfremdete Bilder von Organen, begleitet von dem hypnotischen Massive-Attack-Sound blockieren in "Dr. House" Assoziationen zu anderen Arztserien wie der "Schwarzwaldklinik". Nucky Thompson, der Obergauner von "Boardwalk Empire", steht in schwarzweißen Lederschuhen am Meer, als die Fluten hunderte geschmuggelter Whiskeyflaschen an Land spülen: Die Kriminalität wird zum Naturereignis.

Wie viele Menschen hätten sich wohl in das ereignislose Leben einer Werbeagentur hineinziehen lassen, wenn "Mad Men" nicht mit einer Hommage an das modernistische Grafikdesign von Saul Bass beginnen würde? Ein zum Schatten stilisierter Geschäftsmann fällt aus einem Hochhaus, vorbei an den Bildern einer Strumpfwerbung. "Glaubst du an mich?", ist die codierte Frage von TV-Vorspännen. Wenn ja, kann die Messfeier beginnen.


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