Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 30/13 vom 24.07.2013

Es wäre interessant, den von C. P. Snow geprägten Begriff der zwei Kulturen einmal auf den Journalismus zu übertragen, wo sich Politik-und Kulturjournalisten wahrscheinlich ähnlich erratisch gegenüberstehen wie Natur- und Geisteswissenschaften bei Snow. Überspitzt, aber ohne Ranküne gesagt, neigen die Feuilletonistas zu einem leicht depressiven Sinowatzismus, demzufolge alles sehr kompliziert ist (sodass man's dann auch gleich bleiben lassen kann); wohingegen die eher ein bissl manischen Politiknis sofort eine starke Arbeitshypothese parat haben, die sich mit ein paar Anrufen schon bestätigen lassen wird. Wenn man die Skrupulosität der einen mit dem unverzagten Pragmatismus der anderen vereinen könnte, hätte man quasi einen Jaeger - wie die Kampfroboter heißen, die im aktuellen SF-Action-Knaller "Pacific Rim" von jeweils zwei Piloten bedient werden, die davor ihren Geist fusioniert und ihre Gehirnhälften kalibriert haben.

Aber auch wenn die Somatik von Politiknis und Feuilletonistas eine spezifische, historische gewachsene Ausprägung aufweist, hilft man einander doch gerne. Die Politiknis lieben es sowieso, sich das Leiberl eines anderen Ressorts überzustreifen. So spielt Barbara Tóth diese Woche fürs Stadtleben, Christopher Wurmdobler schreibt weiterhin sein Tanztagebuch im Feuilleton und Matt hias Dusini kommentiert sowieso jedes Thema auf Zuruf. Die Tóth borgt ihr Auto für eine Reportage des Feuilletons her, dafür kauft der Feuilleton-Chef dem Klenk Florian die Jause ein: zwei Kornspitze mit Pfefferkarree bzw. Salami.


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