Prost!

Über die Psychologie von Verpackungsformaten

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Mona Mizzi

Stadtleben | aus FALTER 30/13 vom 24.07.2013

Jede Sommersaison braucht anscheinend ein neues alkoholisches Getränk. Es soll am besten leichtfüßig sein und nicht allzu schnell betrunken machen. Da kommt ein Frizzante gerade recht, dessen Alkohol so lustig-prickelnd durch die Innereien driftet und hilft, nach getaner Arbeit den Reset-Knopf zu drücken.

Mona Mizzi heißt der momentane It-Drink, der unter anderem über den Ladentisch temporärer In-Märkte gereicht wird. Der Cuvee-Frizzante schmeckt nicht schlecht, auch der falsch geschriebene "Hollunder"-Frizzante macht, wofür er erfunden wurde: niedlich schmecken.

Und so kommt auch das ganze Getränk daher - mit verschnörkelter Schrift, dem Attribut "hausgemacht" und der mäßig-ulkigen Zierzeile "Abgefüllt für Mona Mizzi OG im Herzen Niederösterreichs mit einer Prise Wiener Schmäh" wollen sich die Betreiber charmant in die Herzen der After-Work-Trinker zaubern. Auch die Niedrigblutdruckmenschen werden sich freuen, dass sie endlich ein entzückendes Fläschchen zwecks fragwürdiger Ankurbelung des Kreislaufes in den Händen halten können.

Ein weniger entzückendes Fläschchen hat zurzeit Mautner Markhof in petto. Mit dem Sirup Traube-Lemongras will man die Kundschaft locken. Das gelingt aber erst, wenn man eine psychologische Blockade durchbrochen hat. So sehr erinnert die 0,7-Liter-Bouteille an Essig, mit dem Mautner Markhof sofort in Verbindung gebracht wird. Das ist ein strategischer Fehler, der Saft schmeckt nämlich ganz gut. MS


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