Falter-Diskussion: Was brauchen Frauen, abgesehen von der Fristenlösung?

Politik | aus FALTER 31/13 vom 31.07.2013

:: Eine Abtreibungsordination am Wiener Spittelberg wurde zum Symbol für die tabuisierte Abtreibungsdebatte in Österreich. Dutzende Frauen, so vermutet die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz, wurden in der verdreckten Praxis von greisen Gynäkologen schwer verletzt, manche sogar unfruchtbar gemacht. Jahrzehntelang drückten Ärztekammer und Magistrat offenbar beide Augen zu, obwohl der Kurier schon in den 1990er-Jahren von fürchterlichen Missständen berichtete.

Missstände

Der Fall ist nicht nur ein Kriminalfall, sondern auch ein Fall für die Politik. Denn die meisten Frauen, die am Spittelberg abgetrieben haben, waren mittellose Migrantinnen, Prostituierte aus Afrika und Südamerika. Der Falter will nun in einer offenen Debatte der Frage nachgehen, wieso diese Frauen nicht in öffentlichen Spitälern auf Krankenschein abtreiben durften - und welche Frauen heute Schwangerschaften unterbrechen.

Debatte

Falter-Chefredakteur Florian Klenk hat vergangene Woche den Auftakt gemacht und eine neue, fortschrittliche Debatte eingemahnt. Nicht die Strafrichter und Kirchenfürsten sollten sie führen, sondern jene Kräfte, die die medizinische und soziale Lage von Frauen im Sinn haben. Die Diskussion, so Klenk, dürfe nicht mehr mit den moralisierenden Argumenten der 70er, sondern müsse sozialstaatlich geführt werden.

Reformvorschläge

Österreich, so kritisieren Frauenambulanzen, weise eine enorm hohe Abtreibungsrate auf - wenn man die Lage etwa mit den Niederlanden und Deutschland vergleicht, wo um zwei Drittel weniger Frauen abtreiben (0,8 Prozent). Das Wissen um Verhütung ist trotz Internet und Übersexualisierung erstaunlich bescheiden.

Wieso wird so wenig verhütet? Was bedeutet es für Frauen überhaupt abzutreiben? Und wie steht es um die Rolle der Väter? Sollen und dürfen sie sich zu Wort melden?

Darüber will der Falter eine Debatte führen. Diese Woche ist Falter-Redakteurin Birgit Wittstock am Wort. Nächste Woche bringt die ehemalige Ö1-Journalistin Barbara Kaufmann Argumente ein.


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