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Politik | Joseph Gepp | aus FALTER 31/13 vom 31.07.2013

Bücher, kurz besprochen

Ein Anwalt der Verwahrlosten

Er begann als Wiener Volksschullehrer - und entwickelte sich zum Vordenker in der Frage, wie man mit problematischen Jugendlichen umgehen soll. August Aichhorn, gestorben 1949, wurde zu einem der wichtigsten Theoretiker der Erziehung im Roten Wien der Zwischenkriegszeit. Sigmund Freuds Psychoanalyse wollte Aichhorn in die Säle der Kinderheime und Gänge der Besserungsanstalten bringen. "Absolute Milde und Güte“ war dabei sein Credo. Man solle "nicht Anwalt der Gesellschaft, sondern Anwalt des Verwahrlosten“ sein.

Der vorliegende Band fasst - nach einer umfangreichen, sorgfältig ausgearbeiteten Biografie - zahlreiche Schriften Aichhorns zwischen 1923 und 1948 zusammen. Sie handeln allesamt von den Ansichten und Methoden des Erziehers und klingen, trotz ihres Alters, bisweilen viel moderner als das, was heute manch Politiker von sich gibt - zum Beispiel in Sachen Jugendstrafvollzug.

Thomas Aichhorn (Hg.): August Aichhorn. Pionier der psychoanalytischen Sozialarbeit. Löcker, 160 S., € 19,80


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