"Wie von Michelangelo!“

Feuilleton | Reportage: Nicole Scheyerer | aus FALTER 31/13 vom 31.07.2013

Die anatomischen Wachsmodelle in der Schau "Amazing Models“ im Josephinum sind so großartig wie unbekannt

Das Thermometer im Raum zeigt 29,7 Grad Celsius. Kein guter Tag für die anatomischen Wachsmodelle im Wiener Josephinum. Unzählige detailgetreue Darstellungen von Körperteilen liegen auf Manschetten aus weißem Satin. Mit Echthaar gelockte Herrenköpfe öffnen sich hier ebenso wie die Bauchdecken eleganter Perlenkettenträgerinnen und geben den Blick auf Organe und Muskelstränge frei. Die Modelle ruhen auf Behältern aus Rosenholz und mundgeblasenem Murano-Glas.

"In diese Boxen kommt Staub“, beklagt Christiane Druml, die Vizerektorin der Medizinischen Universität beim Rundgang. "An Hitzetagen wird die Wachsoberfläche weich und der Staub darauf sinkt ein. Dadurch verlieren die Objekte an Glanz, Farbe und Lebendigkeit.“ Eine Klimaanlage fehlt jedoch; nur schwache Kühlblöcke brummen in den Schausälen.

Dabei hatte die Hitze im Italien des 18. Jahrhunderts maßgeblich zur Erfindung


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