Neue Bücher

Feuilleton | aus FALTER 31/13 vom 31.07.2013

Radsport und Erinnerung

Virginia Woolf ist 57, als sie ihre Arbeit an einer Biografie für eigene Erinnerungen unterbricht - zwei Jahre vor ihrem Freitod 1941. Ein trocken nach Fakten geordneter Rückblick interessiert sie nicht. Sie greift nach dem, was das Unterbewusstsein hochspült: ein Duft im Sommerhaus in St. Ives; der nicht verstandene Übergriff eines Onkels; oder wie sie zum ersten Mal vom Selbstmord eines Menschen hört. Aufgewachsen mit sechs Geschwistern in einer wohlhabenden Familie, prägt sie das viktorianische Zeitalter. Für Frauen galten rigide Regeln. Und auch Virginia Woolf hatte sich aus einer patriarchalisch dominierten Gesellschaft freizuschreiben. Sophie Rois liest mit edler Süffisanz, und hat man die agile Schauspielerin einmal in einem Theaterstück von René Pollesch wirbelnd auf der Bühne erlebt, mit dieser unbändigen, mitreißenden Energie, staunt man fast über ihre Fähigkeit, Virginia Woolfs empfindsame Tiefenbohrungen derart genau auch im Stillen nachzuformen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige