Ohren auf  Klassisches Liedgut

Weibsbilder, Mädchenblumen, polnischer Tango

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 31/13 vom 31.07.2013

Verspielter Schönheitskult, Mythos, Traum und Fin-de-Siècle-Tristesse vereint die rumänische Sopranistin Teodora Gheorghiu auf ihrem Album "Art Nouveau“ (Aparté). Allerlei musikalische Kostbarkeiten sind hier zu hören, von Strauss über Zemlinsky und Ravel bis hin zu Respighi; eine feine Auswahl, typisch für den Esprit der damaligen Zeit.

Im Mittelpunkt stehen die "Mädchenblumen“ von Richard Strauss, also Lieder von anrührender Schlichtheit, verspielter Koketterie und zarter Sinnlichkeit. Götter, Nymphen und Faune tummeln sich in Respighis Zyklus "Deità silvane“, spätromantisch, mit einem Hang zur Moderne klingen Zemlinskys "Walzer-Gesänge“. Wieder in ganz irdische Regionen führen die fünf griechischen Volkslieder, die Maurice Ravel für Gesang und Klavier bearbeitete. Hinreißend poetisch.

Polen und die Operette? Eine Liaison, die durchaus gut gepflegt wurde, wie zahlreiche Werke polnischer Komponisten der "leichten“ Muse zeigen - Wien-Bezug inklusive. Den "Wiener Schmäh auf Polnisch“, es gibt ihn also. Neben Operettenarien von Karol Szymanowski, Joseph Beer und Theodor Leschetizky finden sich auf dieser bei Gramola erschienenen CD auch einige weltberühmte Melodien. Der Ohrwurm "Wien, Wien, nur du allein“ etwa aus der Feder Rudolf Sieczynskis, der einige der bekanntesten Wienerlieder schuf. Dass mit Jerzy Petersburskis "Oh, Donna Clara“ von Wien aus ein polnischer Tango die Welt eroberte, überrascht ebenso wie die Tatsache, dass "Ob blond, ob braun“ von Robert Stolz erst durch den polnischen Tenor Jan Kiepura zum Hit wurde.

Auf "Weibsbilder“ (Quinton) dreht sich alles um das Frausein. Angelika Kirchschlager, Maria Happel, Ulrike Beimpold und Arabella Cortesi nehmen mit Musik und Texten von Clara Schumann bis Kurt Weill, von Bertha von Suttner bis Hugo von Hofmannsthal diverse Frauenbilder unter die Lupe, mal frech, mal leidenschaftlich. Am 13. August kann man dieses Quartett geballter Frauenpower beim Attergauer Kultursommer erleben. Sehr empfehlenswert!


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