Nüchtern betrachtet

Isch abe nosch eine Köffer in Parieh

Feuilleton | aus FALTER 31/13 vom 31.07.2013

Meine glamourösen Tage sind vorbei. Ich habe acht Stunden am Stück eine Krawatte getragen, ein vier Stunden dauerndes Konzert besucht (zweimal Tschaikowski!), in dessen Pausen mir ein Livrierter Champagner eingeschenkt hat, und bin vier von 32 Stunden in Flughafenzubringungsfahrzeugen gesessen, wofür ich 40,80 Euro bezahlt habe. Nicht mein Geld, aber meine Zeit und insgesamt entschieden zu viel, zumal sich das alles bei Temperaturen jenseits der 30 Grad zugetragen hat, was dem jetsettig-prickeligen Lifestyle dann doch ein paar hunderttausende Kohlensäurebläschen raubt. Um dem Ganzen die Schaumkrone vom Kopf zu schlagen, hat der Franzose dann auch noch mein Gepäck versemmelt. Drei Stunden vor Abflug in den blöden Roissy-Bus gestiegen, kilometerweit durch den verdammten CDG gelatscht, superzeitig eingecheckt, nur damit sich der indigene Kofferwastl denkt: "Ah, ün Trölley autrischienn?! Na, den lassen wir doch gleich mal da, comme ci, comme ça, sapperlement et tralalá!“

Samstagnacht


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