Stadtrand Urbanismuskolumne

Verzeihen Sie bitte die Unannehmlichkeiten!

Stadtleben | aus FALTER 31/13 vom 31.07.2013

Die Welt ist schön. Seitdem das Kunde-ist-König-Denken in den Staatsbahnen eingekehrt ist, verwandeln sich die ehemals mürrischsten Zeitgenossen der Nation in hilfsbereite Seelsorger. Statt wie einst den Fahrgast mit einem "Fahrscheine, bitte!“ anzubellen, weisen sie heute den "client“, wahlweise auf Deutsch, Portugiesisch oder Mandarin, auf das Allerfreundlichste auf die Notwendigkeit hin, er möge doch im Besitz einer Fahrkarte sein und jene - er verzeihe diesen obrigkeitsstaatlichen Übergriff - bei Bedarf auch vorweisen.

Zu diesem mentalitätsgeschichtlichen Paradigmenwechsel gehört auch der Umgang von ÖBB-Mitarbeitern mit Verspätungen. Früher hieß es: "Sei froh, wenn du ankommst.“ Heute säuselt eine schuldbewusste Stimme: "We apologize for the inconvenience.“ Währenddessen drückt der Lokführer aufs Pedal, damit aus der Verspätung eine pünktliche Ankunft wird. Diese protestantische Unternehmensethik hat allerdings auch ihre Nachteile. Früher konnte man bei Verspätungen sagen: "Sie wissen ja, die Bahn.“ Heute heißt es: "Selber schuld!“

Matthias Dusini macht sich Sorgen über zu schnelle ÖBB-Züge


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