Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Teeren und federn?

Steiermark | aus FALTER 31/13 vom 31.07.2013

England liegt wegen des royalen Babys im Freudentaumel, Österreich wegen des "Million Dollar Baby“: der Formel 1, die Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz zurück nach Österreich holt. Deren regionale Wertschöpfung wird zwar unterschiedlich geschätzt - auf zwischen neun und 18 bis gut 43 Millionen Euro jährlich. Unbestritten ist: Die Steiermark wird profitieren.

So weit, so gut. Nervig ist nur mancher Kommentar. Die Landesspitzen Franz Voves (SP) und Hermann Schützenhöfer (VP) waren in ihrer Wortwahl noch moderat, sie dankten dem Red-Bull-Chef. Der Chef des Steiermark-Tourismus aber sprach gar von "Demut vor Herrn Mateschitz“. Das ist nun doch übertrieben. Mateschitz’ Imperium inklusive Rennstall wird von den Red-Bull-Festspielen enorm profitieren, und er hat wohl nicht grundlos in Grundstücke und Hotels um Spielberg investiert. Sein Vermögen wurde zuletzt auf 7,6 Milliarden Dollar geschätzt; mit einem Teil davon erfüllt er sich nun einen Traum. Super, wenn andere daran mitnaschen können, Mutter Teresa ist er deshalb nicht. Behauptet er auch nicht.

Bedenklich ist der Umgang mit Kritikern. "Jeder Österreicher muss dafür sein!“, befiehlt Niki Lauda. Darf man noch indifferent sein? Der frühere Ringgegner Karl Arbesser sagte nur, er sei skeptisch, wie sich das mit den Genehmigungen so schnell ausgehen werde. Schon ging die Facebook-Seite "Wir wollen Formel 1 in Österreich, keinen Arbesser“ online, mit Postings wie "früher hätten sie solche menschen geteert und gefedert“. Ein Klima der Denk- und Sprechverbote, die das Land schleunigst hinter sich lassen sollte. Gerade, wo man nun laut Landesregierern eine "globale Veranstaltungsdestination“ sein will.

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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