Logbuch

Ich sag doch, es ist wie "Glee“

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 31/13 vom 31.07.2013

24.7. Der Horwath hat sein Apfelbaum-Kino wiedereröffnet. Warum es so heißt, weiß kein Mensch, denn der Horwath stellt den Beamer unter den Nussbaum, und abends, wenn es dunkel genug ist, schauen wir uns an seiner Stadelwand Filme an, die sich die Kinder ausgesucht haben. Leider herrscht während der Vorführung dieser Filme ein absolutes Kommentierverbot, egal wie geistesgestört darin getanzt wird.

25.7., 22.10 Uhr Ganz selten schauen wir auch Filme, die die Erwachsenen ausgesucht haben, und so haben vorgestern der Horwath und der Lange bei "Blades of Glory“ geschluchzt, während nun die Horwathin und ich bei "The Thing Called Love“ Tränchen verdrücken, die zu gleichen Teilen aus Nostalgie und Sentimentalität gemixt sind. Die Kinder gähnen und beschweren sich über die abartige Musik. Kusch! Das war einmal unser Lieblingsfilm, bitte! Echt? Wieso? Eins der Mimis geht so weit, hinterher zu behaupten, es habe den Film nicht verstanden. Was gibt’s daran nicht zu verstehen??? Alles. Das ist wie "Glee“, nur mit Gitarren und ohne Gehampel? Dieser James ist mir total unsympathisch, was macht der jetzt? Tot sein, schon lange. Warum? Drogen. Ah, wie bei dem von "Glee“. Ja, ich sag doch: Es ist wie "Glee“. Bogdanovich hat seither auch keinen Film mehr gemacht, fällt mir ein.

26.7. Alle sind völlig verwildert. Geduscht wird praktisch gar nicht mehr, erstens waren wir eh immer gerade schwimmen, zweitens rentiert es sich nicht, da wir auf das Frischgeduschte sofort wieder einen Zentimeter Antiinsektenmittel auftragen, weil wir sonst gefressen werden. Also wuascht. Ich wollte sowieso immer schon Hippie werden, ich habe es nur zwischendurch aus den Augen verloren.

27.7., 11.20 Uhr Der Lange erscheint mit der Astzange. Trotz der Hitze, bitte: guter Langer. Er schneidet endlich die Weiden zurück, die mir beim Schreiben die Sicht in die Natur versperren, was wahrscheinlich überhaupt daran schuld war, dass ich nicht schreiben konnte. Drei Wochen lang habe ich täglich auf die Weiden gezeigt und gesagt: das bitte. Mach das bitte weg. Drei Wochen ist nichts passiert. Jetzt schneidet der Lange engagiert, ich sehe das gern.

11.50 Uhr Ich war nur kurz bei der Horwath drüben, schon sind nicht nur, bravo, die Weiden weg, sondern der Lange hat seinen Schwung genützt und in Eigeninitiative auch das Unkraut von der Mauer geschnitten. Schnappatmung, während ich die nun kahle Betonmauer und die Reste des Minimum 20 Jahre alten Efeus inspiziere, den der Lange ein paar Zentimeter über der Wurzel durchtrennt und von der Wand gerissen hat. Der Lange ist völlig ungerührt: Ach, das war Efeu? Dann war’s eben Efeu, jedenfalls wollte das Gestrüpp seine Mauer auffressen, er hat sich nur gewehrt. Eh, und jetzt gib mir die Astzange, gaaaanz langsam.

Doris Knecht liest am Do, 1.8., im Rahmen der O-Töne im Museumsquartier, Hof 8, 20.30 Uhr


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