"Wer rudert, muss auch feiern"

Veranstalter Daniel Drobil über die Viennautica, ein Wassersportfest am Donaukanal

Lexikon | Interview: Nathalie Grossschädl | aus FALTER 31/13 vom 31.07.2013

Es begann mit einer Ruderregatta vor drei Jahren. Das höhere Ziel war, dem Rudersport mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Mit Einer-Booten, die ansonsten nur an der Alten und der Neuen Donau ihre Runden ziehen, stachen die Sportler mitten in der Wiener Innenstadt am Donaukanal "in See". Der Erfolg gab den Veranstaltern recht: Aus einer Ruder-Challenge wurde ein polysportives Fest, bei dem sich nun an zwei Tagen auch Kanuten und Stand Up Paddler messen. Daniel Drobil, 33, stammt aus einer Ruderfamilie und gehört dem Wiener Ruder Club Pirat an. Gemeinsam mit fünf anderen Vereinen hat er das Spektakel organisiert.

Falter: Herr Drobil, was ist das Besondere am Donaukanal?

Daniel Drobil: Er liegt im Herzen der Stadt. Schon vor 70 Jahren fanden hier Ruderrennen statt, und tausende Zuseher schauten entlang der Strecke zu. Der Donaukanal ist die schnellste Regattastrecke Europas. Mit seiner Strömung von bis zu 7 km/h erreichen Einer-Boote eine Geschwindigkeit von 20 km/h und Achter sind mit rund 25 km/h unterwegs. Die Regatta soll auch eine Show für Ruderer und Zuseher sein.

Was zeichnet die Wettkampfstrecke aus?

Drobil: Rund 6 km werden vom insgesamt 17 km langen Donaukanal errudert. Start ist bei den Schleusen in Nussdorf, das Ziel liegt knapp unter der Urania beim sogenannten Central Garden. Auf der Strecke liegen Rossauer Kaserne, Ringturm oder Urania und viele Graffitis auf den Kanalmauern. Ein großer Vorteil ist, es gibt keine Brückenpfeiler und nur leichte Kurven. Und vergleicht man das Rennen mit Regatten auf Seen und Flüssen, so liegt der Kanal windgeschützt und ist frei von Schiffswellen. Während der Rennen ist der Kanal natürlich für den Schiffsverkehr gesperrt.

Lauern am Donaukanal trotzdem Gefahren?

Drobil: Wir haben zwei Zillen, die während des Spektakels am Kanal schippern und die Gekenterten und Stand Up Paddler, die von Board gegangen sind, aus dem Wasser fischen. Aber schwimmen muss man können. Schwimmweste wird niemand im Boot tragen, oder haben Sie schon einmal einen Piraten mit Schwimmweste gesehen? Das einzige Schlimme, das passieren könnte, wären starke Unwetter, die den Wienfluss in kurzer Zeit ansteigen und das Wasser dann mit Karacho bei der Urania in den Kanal fließen lassen. Dann müsste die Veranstaltung im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fallen. Regenfälle wären auch für unsere Party am Samstag beim Central Garden kein Segen. Denn wer rudert, muss auch feiern können!

Ist Rudern eigentlich eine hippe Sportart?

Drobil: Eindeutig, ja! Rudern ist ja der älteste noch betriebene Sport der Welt und jetzt wieder stark im Kommen. Vielleicht ist die Sportart bei uns nicht so populär wie in England, wo sie erfunden wurde. Aber der Andrang auf Anfängerkurse ist auch hierzulande groß. Der Ruderclub Pirat wird überschüttet mit Anfragen, die Wartelisten sind lang. Wenn man bedenkt, dass vor 50 Jahren Frauen am Rudervereinsgelände verboten waren, sind es heute vor allem sie, die Rudern als Freizeitsport betreiben.

Warum ist Rudern so begehrt?

Drobil: Rudern gilt als der Gesundheitsbrei tensport schlechthin. Der ganze Körper wird trainiert, alle großen Muskelpartien werden aktiviert. Wenn man über das spiegelglatte Wasser gleitet, hat das etwas sehr Meditatives. Rudern ist eine gelenkschonende Sportart, bei der es sich gut abschalten lässt. Schwielen an den Händen muss man akzeptieren. Außerdem bewegt man sich stets in der freien Natur. "Echte" Ruderer gehen natürlich auch im Winter auf der eisfreien Donau rudern. Nur Handschuhe darf man bloß nicht vergessen!

Wie sieht der Ruderer-Style aus?

Drobil: Enge Klamotten sind wichtig, ansonsten läuft man Gefahr an den Skulls oder Riemen, mit denen man das Boot über das Wasser bewegt, hängenzubleiben. Profiruderer tragen knielange, hautenge Rudereinteiler. Die Schuhe sind bei Rennbooten fest montiert. Wer Schuhgröße 46 hat, dem sind sie aber zu klein. Der schneidet dann die Schuhkappen ab. Menschen mit Größe 36 helfen sich wiederum am besten mit Gurten. Theoretisch werden die Schuhe im Boot auch gewaschen.

Gibt es ein Preisgeld und wie viel kostet die Teilnahme?

Drobil: Mit 25 Euro ist man dabei. Die Gewinner erhalten leider nur Ruhm und Ehre. Vom Rudersport leben können bestenfalls Olympiasieger.

Donaukanal, 3. und 4.8., Information: www.viennautica.com


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