Ein Filipino träumt vom Pariser Leben und verliert sich in alten Mustern

Lexikon | Kritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 31/13 vom 31.07.2013

The Parisian Life" heißt ein Gemälde des philippinischen Künstlers Juan Luna (1857-1899), das dieser 1892 in Paris gemalt hat. Das Bild ist genau das, wonach es klingt: die typische impressionistische Kaffeehausszene zwischen verträumter Dame und von ihr - physisch, nicht psychisch! - abgerückter Zylinderfraktion. An der Kunst lässt sich schön ablesen, wie globalisiert die kolonialisierte Welt schon im 19. Jahrhundert war. Da gibt es ein tonangebendes Zentrum und drumherum noch ein bisschen was an Lokalkolorits.

"Philippinische Kunst" erklärt sich dabei schnell als Widerspruch in sich: heute umso mehr, auch wenn die Kunstwelt inzwischen so tut, als würde sie sich für das Fremde interessieren. Nach China ist längst Indonesien dran. Dort läuft es gleich abgeschmackt, wie der ebenfalls auf den Philippinen geborene Künstler Yason Banal in direktem Bezug auf das erwähnte Bild deutlich machen will. Seine bis 31.8. in der Galerie Zimmermann Kratochwill laufende Ausstellung heißt dementsprechend auch "Parisian Life" und arbeitet sich an all dem ab, was die "philippinische Kunst" infolge von Kunstmarktinteressen jetzt so mitmacht.

Dass sich Banal mit Lunas Gemälde das Sprichwort "nomen est omen" teilt, sei nicht verschwiegen. Was hier an letztlich gefälliger Kolonialismuskritik an der Wand hängt und am Boden liegt, folgt ganz dem Erwartbaren, sowohl im Stoff als auch formal. Immerhin kommt die auf den Kunstmarkt hin zugespitzte Globalisierungskritik dabei auf den ersten Blick recht kryptisch daher, gönnt dem Betrachter ein wenig Dechiffrierung, ein wenig Gay-Touch inklusive.


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