Von Bilbao bis Zeche Zollverein: Kulturbauten im Modell als auch auf dem iPad

Lexikon | Kritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 31/13 vom 31.07.2013

Die derzeit (bis 13.10.) im Kunsthaus laufende, von der Berliner Akademie der Künste übernommene Ausstellung Kultur:Stadt lädt zu längerer Verweildauer ein. Es geht um Kulturbauten und deren städtische Zusammenhänge, um das, was man den Bilbao-Effekt nennt. Beispiele, wie dieser scheitern oder auch mit kleinerem Budget funktionieren kann, mit eingeschlossen.

Architekt Matthias Sauerbruch hat gemeinsam mit Wulf Walter Boettger und Caroline Wolf 37 Projekte in sechs Kapiteln angeordnet. Sie zeichnen einen Weg "Vom Forum zur Ikone "nach, bringen die erwartbaren Ikonen - vom Guggenheim/Bilbao bis zur Tate Modern - und zeigen "Akupunkturen", also punktgenaue Eingriffe in urbane Szenerien (das Grazer Kunsthaus ist einer davon). Anschließend sind Überschreibungen und Umnutzungen bestehender Strukturen zu sehen, Bibliotheken und schließlich größer angelegte Komplexe wie etwa die von Peter Eisenman entworfene und krisenblind aus dem Boden des spanischen Santiago de Compostela gestampfte Cidade da Cultura de Galizia.

Genial ist das Ausstellungskonzept: weniger aufgrund der - allerdings sehr kenntnisreichen - Auswahl der Projekte, sondern schon wegen des iPads, das der Besucher ausgehändigt bekommt. Zu jedem ausgestellten Projekt lassen sich damit Zusatzinformationen wie Pläne, Fotos und Filme abrufen. Jedes Projekt wird mit einem Statement des Kurators erklärt. Diese Ladung Virtualität nimmt den ausgestellten Objekten einiges an Selbsterklärung ab, lässt den Besuch zum aufgelockert gestalteten Studium werden. Wären Kunstausstellungen doch nur halb so gut vermittelt!


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