Neu im Kino

Charmant im Rückblick: "Jackie" mit Holly Hunter

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 31/13 vom 31.07.2013

Sofie und Daan sind Zwillinge, die ihre Mutter nie kennengelernt haben. Von einer amerikanischen Leihmutter geboren, wurden sie von ihren schwulen Vätern in den Niederlanden aufgezogen. Eine Nachricht reißt die ungleichen Schwestern - Sofie ist Workaholic, Daan eine verheiratete Frau mit Kinderwunsch - aus ihrem Alltag: Ihre Mutter Jackie hat sich einen komplizierten Bruch zugezogen, es gibt keine anderen Verwandten, die helfen könnten. So machen sich die beiden auf den Weg in die USA, um Jackie in eine Rehaklinik zu bringen. Als die verschlossene und verwirrt wirkende Frau sich weigert, ihren Campingbus zurückzulassen, beginnt ein Road Trip durch New Mexico.

Antoinette Beumers komödiantisch angehauchtes Drama "Jackie - Wer braucht schon eine Mutter" konzentriert sich fast ausschließlich auf die Beziehung der drei Frauen. Jeder Figur wird dabei ein "Hauptthema" zugeordnet, das verhandelt wird: Jackies rätselhafte Verschlossenheit, Sofies Jobbesessenheit und Daans Eheprobleme. Viele zu diesem Zweck konstruierte, teils klischeehafte Begebenheiten zeigen auf, wie Mutter und Töchter ihre Rollen und Emotionen in der neuen Familiensituation entdecken. Eine tiefgreifende Figurenzeichnung oder ausgefeilte Dialoge liefert "Jackie" nicht, auch wirkt manches wenig lebensnah: Die Schwestern müssen sich keine Minute an das Leben im heruntergekommenen Bus gewöhnen, haben einen schier unendlichen Vorrat an Kleidung und stets die Haare schön.

Vor dem Status einer "ganz netten" Komödie rettet Beumers Werk aber schlussendlich ein Twist, der dem gesamten Film im Rückblick Charme verleiht. Auch sehenswert: Holly Hunters Fähigkeit, einer so wortkargen Figur wie Jackie eine besondere Aura zu verleihen - sie kann es nach wie vor.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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