Neu im Kino

Unausstehlich: "Paulette" mit Bernadette Lafont

Lexikon | Gerhard Midding | aus FALTER 31/13 vom 31.07.2013

Im Lauf ihrer Kinokarriere hat es Bernadette Lafont zu einem beachtlichen Vorstrafenregister gebracht: Beischlafdiebstahl, Erpressung, Gattenmord und anderes mehr. Als Drogenhändlerin ist die unverwüstliche Delinquentin meines Wissens bislang noch nicht aktenkundig geworden. Wenn man die agile Mittsiebzigerin nun in "Paulette" sieht, muss man sagen: Besser spät als gar nicht. Als raubeinige Witwe, deren Rente kaum für die Miete ihrer Sozialwohnung reicht, gibt sie dem Affen Zucker. Auf dem Markt muss sie Reste zusammenklauben, damit der Abendbrottisch nicht ganz leer bleibt. Jérôme Enrico sentimentalisiert sie nicht. Sie ist im Gegenteil ziemlich unausstehlich: eine üble Rassistin, bigott, rücksichtslos und ohne jede Empathie. Eine solche Figur wartet nur darauf, geläutert zu werden.

Zu diesem Zweck beschreitet der Film nonchalante Wege. Eines Tages gerät Paulette an ein Päckchen Hasch, das ein Dealer auf der Flucht verschwinden lässt. Rasch wird die resolute Rentnerin mit dessen Boss handelseinig. Das bringt die Konkurrenz in der Vorstadtsiedlung in Rage. Aber Paulette entdeckt eine Marktlücke, als sie sich auf ihr Talent fürs Kuchenbacken besinnt. Bald läuft das Geschäft mit der berauschenden Patisserie so gut, dass sie ihre Freundinnen einspannen muss, streng nach Sarkozys Wahlslogan von 2007: " Mehr arbeiten, um mehr zu verdienen".

Schwer macht es sich der Film nicht. Ein vergnügter Rumba gibt seinen Ton vor. Der Sozialrealismus gerät ihm eine Spur zu harmlos, der Klamauk geniert ihn nicht. Einen Hauch von Utopie bewahrt er sich: Paulettes Wandlung zur Menschenfreundin führt vor, wie neue Umgangsregeln zwischen den Kulturen und Generationen verhandelt werden können.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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