Blinde Richter lassen sich durch nichts beeindrucken

Politik | Barbara Tóth | aus FALTER 32/13 vom 07.08.2013

Erstmals werden Blinde in Österreich zu Richtern ernannt. Im neuen Bundesverwaltungsgerichtshof, der am 1. Jänner 2014 seine Tätigkeit aufnehmen wird, sind zwei der 168 Richter blind: Gerhard Höllerer aus Altlengbach und Alexander Niederwimmer aus Linz.

Niederwimmer wurde 2005 vom Falter interviewt, schon damals forderte er, dass Blinde Richter werden, so wie in Deutschland oder den Beneluxstaaten. Schließlich können Computer heute jeden Text für Blinde aufbereiten. Es sei auch nicht wichtig, ob er sehe, dass ein Zeuge beim Verhör rot anlaufe. "Dazu brauche ich keine Augen. Es genügt, wenn ich die Stimme höre. Ich spüre doch auch, ob mir wer eine Wuchtel reindrückt. Ich merke, ob wer nervös wird. Man kann mir weniger vorspielen - etwa durch Kleidung. Es gibt ja rechtspsychologische Untersuchungen, die zeigen, wie wir ständig durch Äußerlichkeiten getäuscht werden. Wenn ein Geschäftsmann mit schickem Outfit vor Gericht tritt, wird er anders behandelt als ein Sandler, selbst wenn der einfach und ehrlich spricht. Wer zu wenig trendy ist, hat schon verloren. Es zählt der Schein. In der Rechtspsychologie ist das längst anerkannt. Ich als Blinder lasse mich durch äußere Merkmale nicht beeindrucken.“ F


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