Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Pech gehabt!

Steiermark | aus FALTER 32/13 vom 07.08.2013

Die Anklage ist also fertig. Gegen drei 17-jährige Burschen, die in einer Jugend-WG der Stadt Graz vier jüngere Mädchen über Jahre hinweg vergewaltigt und schwer missbraucht haben sollen. Aufgeflogen war die Katastrophe im vergangenen März.

Die Aufarbeitung vor Gericht muss sein, gut wird damit noch nichts. Alle fragten sich: Wie konnte es passieren, dass die Betreuer nichts bemerkt haben? Die Kinder- und Jugendanwältin des Landes, Brigitte Pörsch, sagte damals: Die Betreuer hätten viel zu wenig Zeit für ihre Klienten. "Es müssen endlich die Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, die es braucht, um an Beziehungen zu arbeiten.“ Die Stadt hat nun in ihren WGs aufgestockt, das Land hat aber 2011 die schon vorher nicht großzügigen Betreuungsschlüssel gesenkt. Auch hatten Expertinnen dem Land schon lang ein Paket vorgelegt, wie Gewalt in Einrichtungen vermieden werden könnte, doch dieses liege in der Schublade.

Jetzt soll es sogar noch schlechter werden. Bisher vermittelte die Kinderanwaltschaft zwischen Jugendlichen und Behörden, doch in einem neuen Gesetzesentwurf ist diese Aufgabe einfach gestrichen. Außerdem soll die Akteneinsicht in Fällen der Jugendwohlfahrt ausgehebelt werden. Wie sie ohne Infos helfen soll, fragt Pörsch.

Wie nachteilig die Gesetzesänderung für Kinder wäre, will sie schon deponiert haben. SP-Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser sagt nun, man wolle die Rechte der Ombudsstelle nicht beschneiden, er stellt Nachbesserungen in Aussicht. Eine Chance gibt es also noch. All das zeigt aber, welchen Stellenwert Kinder hierzulande haben - zumal wenn sie aus schwierigen Verhältnissen kommen, haben sie halt einfach doppelt Pech gehabt. F


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