Doris Knecht Logbuch

Himmelherrgott, das ist doch ganz einfach!

Kolumnen | Doris Knecht Kann Zahlen und Orientierung Nicht So Gut | aus FALTER 32/13 vom 07.08.2013

30.7., 16.40 Uhr. Auch die Familie Rookie verbringt ihren Sommer am Land, ihren ersten. Weil man als Rookie vieles noch nicht kennt, ist es gut, wenn eine Alteingesessene den Weg zum nächsten Badeteich erklären kann. Das ist ganz einfach, du fährst durch Dings durch, und gleich nach dem Lagerhaus kommt eine Abzweigung nach links, da steht "Weinstub’n 1 km“, Weinstub’n mit einem falschen Apostroph, wurscht, denn dort fährst du eh nach rechts, und dann siehst du gleich einen Parkplatz, einen Kiosk und die Mimis, denn die sind schon dort. Ich komme später nach und hol sie ab. Rookies sagen, sie fahren schon einmal los, bis dann. Gut, ich gieß nur noch schnell das Gemüse.

17.10 Uhr. Man packt die Badesachen. Rookies rufen an, sie sagen, sie sind genau so gefahren, wie man gesagt hat, da ist kein Badeteich. Das kann nicht sein. Ich erklär’s noch einmal.

17.20 Uhr. Man setzt sich ins Auto, in dem es ungefähr 400 Grad hat, Rookies rufen an, sie finden keinen Badeteich. Das darf doch nicht wahr sein. Ist doch ganz einfach! Da und da und dann da! Da, wo Weinstub’n steht, einfach nach rechts! Ja, das haben sie gemacht, aber da waren nur Felder. Man wird allmählich etwas ungehalten. Rookies sagen, okay, sie fahren jetzt zurück zum Wirtshaus vom Dings und warten dort. Gute Idee.

17.22 Uhr. Auf dem Weg nach Dings fällt einem ein, dass man zwei Sachen nicht gut kann: Zahlen und Orientierung. Äh, hmm.

17.23 Uhr. In Dings steht Familie Rookie mit den Kindern im Auto vor dem Gasthaus in sengender Sonne, hinter ihnen noch ein Auto mit drei Freunden. Ich winke, die Autos starten und fahren hinter mir her.

17.25 Uhr. Es ist, wie ich gesagt habe. Links das "Weinstub’n“-Schild, rechts die Abzweigung zum Teich. Die hatte ich ein bisschen anders in Erinnerung, aber ich war ja auch erst einmal da.

17.27 Uhr. Es muss wohl doch die nächste Abzweigung sein. Reversieren kann ich auch nicht so gut, vor allem auf schmalen Feldwegen, mit zwei Autos hinter mir.

17.32 Uhr. Nächste Abzweigung. Links ein "Weinstub’n“-Schild 1 km, rechts geht es zu einem entrisch gelegenen Bauernhof, dem ich beim Reversieren durch den Vorgarten fahre, die zwei anderen Autos hinter mir her.

17.37 Uhr. Offenbar führen hier, ist mir bisher nicht aufgefallen, rechts alle Wege zur Weinstub’n, 1 km. Links landen wir in einem idyllischen Laubwäldchen. Reversieren im Konvoi. Geht schon viel besser.

17.50 Uhr. Der Weg zum Badeteich ist mit einem großen grünen Schild gekennzeichnet, auf dem in weißen Lettern BADETEICH steht. War mir bisher gar nicht aufgefallen, nur das "Weinstub’n“-Schild auf der anderen Straßenseite. Die Rookies sind 30 Prozent Erschöpfung, 20 Prozent Genervtheit, 10 Prozent Erleichterung und 40 Prozent Hohn und Spott. Ihre Freunde finden mich lustig. Schön. Morgen fahr ich nach Wien, da kenne ich mich aus. F


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