Fragen Sie Frau Andrea

Tabvor, Deborah und Bienenfleiß am Tabor

Kolumnen | Andrea Maria Dusl Beantwortet Knifflige Fragen der Leserschaft | aus FALTER 32/13 vom 07.08.2013

Liebe Frau Andrea,

jedes Mal, wenn ich mit dem 5er Am Tabor vorbeikomme, frage ich mich, woher dieses Wort kommt und wie damit der Falter-Autor gleichen Namens zusammenhängt. Wissen Sie mehr?

Magdalena H., per Smalt

Liebe Magdalena,

der Ort, der an die Namen von Theaterregisseur George Tabori und Falter-Architekturkritiker Jan Tabor erinnert, lag einst direkt an der Donau. Am (Neuen) Tabor endete die vor 1770 noch Kremser Straße genannte Taborstraße. Der alte Tabor hatte bis 1683, dem Jahr der Zerstörung der Langen Brücke über den damaligen Hauptarm der Donau westlich des Augartens, zwischen dem heutigen Gauß- und dem Wallensteinplatz gelegen.

Mit dem Namen Tabor bezeichnete man damals generell Verteidigungsanlagen, meist halbkreisförmig angelegte Schanzen, in unserem Fall die im 15. Jahrhundert zur Sicherung der Donaubrücke gegen militante böhmische Hussiten errichtete Fortifikation. Bemerkenswerterweise war diese Art der Befestigungsanlagen von den reformatorisch-revolutionären Hussiten selbst erfunden und nach der von ihnen in der Nähe einer verwüsteten tschechischen Burg zusammengeschaufelten Stadt Tábor benannt worden. Tábor war nach 1420 zur Wiege des radikalen Hussitentums geworden.

Der Name selbst ist viel älteren, biblischen Ursprungs. Östlich von Nazareth erhebt sich der 588 Meter hohe Berg Tabor (hebr.: Har Tavor). Altes und Neues Testament schildern Ereignisse, die dort stattgefunden haben. Bereits im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gab es auf dem Berg Tabor ein kanaanitisches Baal-Heiligtum. In der Richterzeit versammelten die Prophetin Deborah und der Feldherr Barak dort ihre Truppen, um den Heeroberstern des Königs von Hazor, Sisera, zu schlagen.

Für Christen gilt der Berg Tabor auch als Schauplatz der Verklärung Christi, jener Ort also, wo Jesus vor den Augen von Petrus, Jakobus und Johannes verwandelt worden sein soll. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Name des Berges und jener der Prophetin gleichen etymologischen Ursprungs sind. Deborah bedeutet im Hebräischen "die Bienenfleißige“, ein Attribut, das auf Architekturkritiker Jan Tabor wie auf die Verfasserin dieser Zeilen gleichermaßen zutrifft, ist doch Dusel eine der hebräischen Kurzformen des Vornamens Deborah. F


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